"Jeder kann sich einmal verhaspeln"

25. Februar 2009, 17:22
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Der niederösterreichische FPÖ-Landtagsabgeordnete Karl Schwab avanciert mit einer Rede zum Star auf youtube

Der niederösterreichische FPÖ-Landtagsabgeordnete Karl Schwab ist auf Youtube mit einer relativ holprigen Rede vor dem Landtag vertreten. Er vermutet die ÖVP hinter der "Kampagne". Über freies Reden, den Kronenhirsch und "die Herrlichkeit Erwin Pröll" sprach er mit Katrin Burgstaller.

derStandard.at: Herr Schwab wissen Sie, dass Sie so etwas wie ein Star auf youtube sind? Ein Video von Ihnen aus dem niederösterreichischen Landtag hat schon fast 40.000 Zugriffe.

Schwab: Dass ich ein Star im Internet bin, habe ich noch nicht gehört. Aber ich habe schon gehört, es kursiert von mir eine Rede im Internet, in der mir der Kronenhirsch nicht gleich eingefallen ist. Deshalb habe ich mir sogar auf den Kopf gegriffen. Aber das man sich verredet ist ja nichts Schlechtes.

derStandard.at: Finden Sie es gemein, dass das Video von Ihnen im Internet verbreitet wird?

Schwab: Nein, warum? Ich stehe zu dem, was ich gemacht habe. Jeder kann sich einmal verhaspeln. Ich schreibe mir die Reden immer nur in Stichworten auf und bei dieser Rede habe ich das richtige Stichwort am Zettel nicht gleich gefunden. Seit ich in der NÖN die ÖVP stark verrissen habe und die Herrlichkeit Erwin Pröll beleidigt habe, weil das Land das Nitsch-Museum übernommen hat, läuft eine Kampagne gegen mich.

derStandard.at: Sie glauben also, jemand von der ÖVP hat dieses Video online gestellt?

Schwab: Beweisen kann ich es nicht, aber wer sollte es sonst sein. Wer in der Öffentlichkeit steht, muss so was aushalten.

derStandard.at: Üben Sie, bevor Sie eine Rede halten?

Schwab: Nein, ich rede zu 90 Prozent frei. Wenn man abliest, gibt es von den anderen Parteien Zwischenrufe, das sei ein Rednerpult und kein Lesepult. Ich weiß schon, dass ich nicht der beste Redner bin, aber ich bemühe mich sehr. Ich war lange im Bundesrat, da habe ich auch meine Reden gehalten. Jedenfalls gelingt es mir, die Inhalte, die mir wichtig sind, der Bevölkerung zu vermitteln.

derStandard.at: Finden Sie die Reden Ihrer KollegInnen manchmal langweilig?

Schwab: Nein, ich höre gerne zu, weil es mich wirklich interessiert. Das Plenum verlasse ich nur, wenn ich muss.

derStandard.at: Hören Ihnen Ihre KollegInnen im Landtag zu?

Schwab: Ja, ganz sicherlich.

derStandard.at: Auf youtube fragt jemand, ob Sie bei dieser Rede betrunken waren. Waren Sie das?

Schwab: Ich? Nein, ich war nicht betrunken. (derStandard.at, 25. Feber 2009)

Zur Person

Karl Schwab, Jahrgang 1936, ist Abgeordneter der FPÖ Niederösterreich im Niederösterreichischen Landtag. Zudem ist er Bezirksparteiobmann der FPÖ Mistelbach.

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