Handke geht "aufs Ganze"

25. Februar 2009, 15:00
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Episches Theaterstück über Kärntner Partisanen und Reportagebuch zu Balkanfronten

Wien - Das neue Stück von Peter Handke über den Widerstandskampf der Kärntner Partisanen gegen Hitler wird "ein langes, episches Stück in der Art von 'Zurüstungen für die Unsterblichkeit', fast ein Kärntner Epos", kündigt der in Paris lebende österreichische Dichter in einem Interview mit dem Magazin "News" an. "Zugleich ist es auch episch und traumhaft", so Handke, der an dem Stück noch schreibt: "Ich hab mir gedacht: Wenn schon ein Stück, dann geh ich aufs Ganze und erzähl' auch wirklich lang und breit und scharf und schneidend von der Geschichte eines Volkes." Deswegen habe er für die Uraufführung "ein bisschen an den Martin Kusej gedacht, weil er sieben Kilometer von mir weg geboren ist und auch das Slowenische kennt", so Handke. Allerdings seien weder Regisseur, noch Zeitpunkt oder Ort fixiert: "Uraufgeführt wird es irgendwann im nächsten Jahr."

Konkret äußert sich Handke über sein am 9. März erscheinendes neues Buch "Die Kuckucke von Velika Hoca": "Ich hatte versucht, ganz ernsthaft eine Reportage zu schreiben, um Zeugnis abzulegen. Ich habe eine Woche beim Weinbauern gewohnt und mich Tag und Nacht herumgetrieben und bin durch die verkommenen Weinberge bis zum nächsten Dorf gewandert, das schon albanisch ist, weshalb sich seit Jahrzehnten niemand aus Velika Hoca dorthin gewagt hat. Dann habe ich im Aufschreiben gemerkt, dass dieses Reportagegehabe nicht stimmt." Das Ergebnis sei nun "eine Art Zwitter" zwischen Reportage und Erzählung. Positiv äußert sich der Autor in "News" über die in der Region stationierten österreichischen KFOR-Soldaten: Sie "machen sehr gute Arbeit und sind auch sehr verständnisvoll. Wären sie weg, würde sofort wieder Gewalt ausbrechen."

Zu der Entscheidung des Papstes ("Mir ist es symbolisch unerträglich, dass ein Hitlerjunge Papst ist."), die Exkommunikation des Holocaust-Leugners Bischof Williamson aufzuheben, sagt Handke: "Und was dieser Williamson verkörpert: Das hat gewusst zu werden, wenn man die Entscheidung trifft, eine Exkommunikation aufzuheben. Zu den sieben Todsünden gehört noch eine achte - die Ahnungslosigkeit, das Zeichen von Nicht-in-der-Welt-Sein. Wissen ist wenig. Aber Ahnung haben ist alles." (APA)

 

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