Schlingensief eröffnet Theatertreffen in Berlin

25. Februar 2009, 14:45
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Mai-Gipfel deutschsprachiger Bühnen um einen Tag verlängert

Berlin - Der Regisseur Christoph Schlingensief eröffnet am 1. Mai das 46. Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen in Berlin. Gezeigt wird seine bei der Ruhrtriennale 2008 uraufgeführte Inszenierung "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir". Der 48-jährige Schlingensief, der damit bereits zum zweiten Mal zum Theatertreffen eingeladen wurde und bei der Berlinale im Februar Mitglied der Internationalen Jury war, thematisiert darin seine Krebserkrankung.

"Dieses Fluxus-Oratorium ist beseelt von der Idee, dass Kunst und Leben nicht voneinander zu trennen sind", heißt es in der Begründung der Jury zur Auswahl des Stückes. "Eine furios theatralisierte Krankenakte und ein vom zu Betrauernden selbst angerichtetes Requiem zu Lebzeiten. Ein Abend voller Mut zum Kitsch, höchst ergreifend und von einer Unmittelbarkeit, der man im Theater selten begegnet." Am Wiener Burgtheater bereitet Schlingensief bereits seine nächste Inszenierung "Mea Culpa" vor, die im März Premiere hat.

"Hier und Jetzt"

Berlin ist beim diesjährigen Theatertreffen mit Jürgen Goschs Inszenierung von Anton Tschechows "Möwe" am Deutschen Theater dabei. Das Theatertreffen mit insgesamt zehn eingeladenen "bemerkenswerten Inszenierungen" ist, wie die Berliner Festspiele am Mittwoch ferner mitteilten, um einen Tag verlängert worden und endet nun am 18. Mai mit Volker Löschs viel diskutierter, polarisierender Inszenierung "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?" vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Frei angelehnt an Peter Weiss' Marat-Stück von 1964 arbeitet der Regisseur, der hiermit sein Theatertreffen- Debüt feiert, wieder mit Laien-Chören, diesmal Hartz-IV-Empfängern, "und gibt Anstoß, über Politik im Theater nachzudenken", wie die Theatertreffen-Jury meinte.

Gemäß dem diesjährigen Festivalmotto "Hier und Jetzt" ist in diesem Jahr viel Autorentheater und Gegenwartsdramatik beim Theatertreffen zu sehen. Andreas Kriegenburg zeigt seine Version des Kafka-Romans "Der Prozess", Nicolas Stemann erzählt die "Räuber" nach Friedrich Schiller mit chorischen Elementen und Martin Kusej holt im "Weibsteufel" den Schnitzler-Zeitgenossen Karl Schönherr in die Gegenwart - mit der soeben mit dem Silbernen Bären der Berlinale ausgezeichneten Birgit Minichmayr. Der Schauspieler Joachim Meyerhoff vom Burgtheater Wien ist mit einem dreiteiligen autobiografischen Soloabend vertreten, die britische Regisseurin Katie Mitchell mit einer eigenwilligen Multimedia-Version von Franz Xaver Kroetz' "Wunschkonzert".

Das ebenfalls eingeladene ungewöhnliche Theaterprojekt von Christoph Marthaler im Grandhotel Waldhaus im Schweizer Sils-Maria ("Das Theater mit dem Waldhaus") kann zwar nicht in Berlin präsentiert werden, doch sind die Festspiele mit dem Regisseur noch über eine "wie auch immer geartete" Beteiligung am Theatertreffen im Gespräch, wie eine Sprecherin ergänzendte. Der Online- Kartenvorverkauf beginnt voraussichtlich am 25. April. (APA/dpa)

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