"Dessous-Kenner" vs. "grüne Restbestände"

26. Februar 2009, 16:20
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ÖVP, Grüne und FPÖ liefern sich in Kärnten ein Match um den dritten Platz - Die Parteichefs im E-Mail-Interview

Am Sonntag wählt Kärnten einen neuen Landtag. Während sich BZÖ und SPÖ ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, kämpfen ÖVP, die Grünen und die FPÖ um Platz drei. derStandard.at hat bei den Parteichefs nachgefragt, was sie voneinander lernen können, welche Schwächen die Gegner haben und wie sie den jeweiligen Wahlausgang einschätzen. Die Parteichefs Josef Martinz (ÖVP), Rolf Holub (Grüne) und Mario Canori (FPÖ) antworteten via E-Mail.

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derStandard.at: Wieso ist die ÖVP so bedeutungslos in Kärnten?

Martinz: Die ÖVP war, ist und wird auch in Zukunft ein ganz entscheidender Faktor sein. Ohne ÖVP ist den letzten Jahren in Kärnten nichts passiert. Die entscheidenden Dinge sind allesamt Initiativen der ÖVP und sind aufgrund der Stimmenaufteilung in Regierung und Landtag nur durch die ÖVP umsetzbar gewesen. Wir waren das Zünglein an der Waage. Es stimmt zwar, dass die Landtagswahl 04 bitter war, aber wir sind überzeugt davon, dass die ÖVP Kärnten bei der Landtagswahl 09 die Partei mit den stärksten Zuwächsen sein wird.

Holub: Die ÖVP ist traditionell in Kärnten nicht so stark wie in anderen Bundesländern. Manche erklären das mit der Gegenreformation. Durch einen jahrelangen Zick-Zackkurs hat die ÖVP an Glaubwürdigkeit eingebüßt.

Canori: Die Volkspartei hat nach den Jahren als Landeshauptmannpartei die Zeichen der Zeit völlig verkannt und unter Haider einfach nicht mehr Tritt gefasst. Die Aussagen der damaligen ÖVP-Spitzenkandidatin Elisabeth Scheucher-Pichler im Jahr 2003, wonach sie Haider nicht mehr als Landeshauptmann unterstützen werde, hat der Volkspartei nicht nur das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte in Kärnten gebracht, seit damals hat die ÖVP in Kärnten auch keine Führungsfigur mit Format mehr auf die politische Bühne gebracht.

derStandard.at: Werden die Grünen wegen der Parteikrise rund um Johannes Voggenhuber Stimmen einbüßen?

Martinz: Die Grünen werden unabhängig von Voggenhuber Stimmen einbüßen bzw. in Kärnten auf niedrigen Niveau nichts dazugewinnen. In Kärnten werden sie nicht wahrgenommen.

Holub: Ich denke, dass es eher bei der EU-Wahl zu Stimmenverlusten kommen kann als bei der Landtagswahl. Kärnten hat sich beim Erweiterten Bundesvorstand der Grünen für eine Solidaritätskandidatur von Voggenhuber ausgesprochen.

Canori: Die Grünen haben auch schon vor der "Voggenhuber-Krise" Landtagswahlen verloren und auch die Nationalratswahl hat gezeigt, dass die Grünen ihren Zenit erreicht haben. Und die jüngsten Turbulenzen rund um Voggenhuber haben natürlich auch nicht geholfen. Die Grünen werden auch in Kärnten hinter der FPÖ liegen, werden in Salzburg ebenso verlieren und nach der EU-Wahl im Juni wird Eva Glawischnig als Parteichefin Geschichte sein.

derStandard.at: Warum lächelt HC Strache neben Mario Canori von den Wahlplakaten der FPÖ?

Martinz: Das müssen sie HC Strache fragen. Wahrscheinlich hat Mario Canori nicht das Selbstbewusstsein sich allein auf einen Plakat zu zeigen.

Holub: Damit die WählerInnen wissen dass, Canori jetzt bei der FPÖ ist und nicht mehr beim BZÖ wie früher.

Canori: Weil HC Strache als erfolgreicher Bundesparteiobmann der FPÖ ein großer Freund Kärntens ist, er die FPÖ nach außen repräsentiert und mit mir an vielen Tagen in ganz Kärnten unterwegs ist. Straches Einsatz für die FPÖ in Kärnten aber auch in Restösterreich ist wirklich bewundernswert.

derStandard.at: Obwohl Sie im aktuellen Wahlkampf Gegner sind - könnten Sie mir jeweils eine Eigenschaft von ihren Gegnern um Platz drei nennen, die Sie bewundernswert finden?

Martinz: Holub ist lustig und Canori kennt sich bei Dessous aus.

Holub: Herr Martinz stellt die Sonderanstalt auf der Saualm in Frage und auch Herr Canori macht die Ausländer-Hetze der FPÖ nicht mit.

Canori: Bislang sind mir keine besonders guten oder gar bewundernswerten Eigenschaften bei beiden aufgefallen. Ich glaube, dass Martinz die Landtagswahl politisch als ÖVP-Chef nicht überleben wird. Und bei Holub wird man sehen, ob es nach der verspielten Wahl überhaupt jemanden geben wird, der bereit sein wird die grünen Restbestände als Parteichef in Kärnten zu führen. (rwh, derStandard.at, 26.2.2009)

  • Josef Martinz von der ÖVP hofft auf 15 Prozent. Umfragen bescheinigen den Schwarzen zwölf, maximal 13 Prozent.

    Josef Martinz von der ÖVP hofft auf 15 Prozent. Umfragen bescheinigen den Schwarzen zwölf, maximal 13 Prozent.

  • Die Fünf-Prozent-Hürde sollte kein Problem für die Grünen mit Spitzenkandidat Rolf Holub darstellen, vor fünf Jahren erreichten sie 6,7 Prozent.

    Die Fünf-Prozent-Hürde sollte kein Problem für die Grünen mit Spitzenkandidat Rolf Holub darstellen, vor fünf Jahren erreichten sie 6,7 Prozent.

  • Die FPÖ mit ihrem Spitzenkandidaten Mario Canori ist die große Unbekannte bei den Spekulationen um den Wahlausgang. Die Blauen reden von einem zweistelligen Ergebnis, die Meinungsforscher geben ihnen zwischen zwei und acht Prozent.

    Die FPÖ mit ihrem Spitzenkandidaten Mario Canori ist die große Unbekannte bei den Spekulationen um den Wahlausgang. Die Blauen reden von einem zweistelligen Ergebnis, die Meinungsforscher geben ihnen zwischen zwei und acht Prozent.

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