Angespannte Atmosphäre zum Neujahrsfest

25. Februar 2009, 13:17
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Mönche: "Keine Freiheit"

Xining - In angespannter Atmosphäre haben am Mittwoch die Tibeter ihr Neujahrsfest "Losar" begangen. Das Feierlichkeiten zum Jahr 2135 der Erdmaus waren überschattet von dem Gedenken an die Opfer und Festgenommenen bei der Niederschlagung der Proteste vor knapp einem Jahr durch chinesische Sicherheitskräfte. Exil-tibetische Gruppen hatten zum Boykott der Feierlichkeiten aufgerufen. "Wir feiern nicht", sagte ein Mönch am Mittwoch in Xining, der Provinzhauptstadt von Qinghai. Im nahe gelegenen Rebkhong-Kloster sagte ein anderer Mönch: "Wir leben kein glückliches Leben. Wir haben keine Freiheit." Im Kloster seien keine Feiern geplant. "Wir feiern das neue Jahr nicht."

Hunderte Tibeter besuchten gleichwohl anlässlich des Neujahrsfestes das nahe Xining gelegene berühmte Kloster Kumbum. "Es gibt viele gewöhnliche Leute, die heute zum Gebet kommen, weil es der erste Tag im tibetischen Kalender ist", sagte ein buddhistischer Mönch in dem Kloster, während die Pilger beteten. Die chinesischen Behörden hatten in Tibet und in Nachbarprovinzen versucht, die Tibeter zum Feiern zu bewegen und ihnen sogar Geld für Feuerwerk gegeben, wie exiltibetische Gruppen berichteten.

Kumbum ist eines der vier wichtigsten Zentren des tibetischen Buddhismus. 1996 war es in Kumbum zu schweren Übergriffen der kommunistischen Behörden gekommen. Mönche und Novizen wurden monatelang eingesperrt und gefoltert. Die Klosterschule war 1990 wieder geöffnet worden. Sie wurde 1996 geschlossen. Die 200 Novizen mussten das im Jahr 1560 gegründete Kloster verlassen. Mit einer "Kampagne zur patriotischen Erziehung" wollte Peking seinen Einfluss auf die Klöster stärken. 35.000 Mönche und Nonnen in Tibet wurden im Rahmen der Kampagne "umerzogen".

Zahlreiche Festnahmen

"Die tibetischen Landsleute in unserer Provinz feiern das tibetische Neujahrsfest", berichtete demonstrativ die örtliche Zeitung "Xining Wanbao" mit einem Foto von einer tibetischen Tanzgruppe auf einer von den Behörden organisierten Galashow in einem Hotel der Stadt. Wegen der angespannten Lage vor dem Jahrestag der Unruhen im März 2008 und dem bevorstehenden 50. Jahrestag des Aufstandes der Tibeter gegen die Chinesen am 10. März 1959 und der Flucht des Dalai Lama mit hunderttausend Landsleuten ins indische Exil waren in Tibet und tibetisch bewohnten Nachbarregionen die Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt worden. In den vergangenen Wochen wurden zahlreiche Festnahmen in Tibet gemeldet.

Im November war die letzte Gesprächsrunde zwischen Bevollmächtigten des Dalai Lama und der chinesischen Regierung ergebnislos abgebrochen worden. Peking warf dem tibetischen Exil-Oberhaupt vor, nach wie vor einen "Geheimplan" zur Erlangung der Eigenstaatlichkeit Tibets zu verfolgen. Die chinesische Führung hatte den Gesprächen mit der tibetischen Exilführung im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking unter internationalem Druck zugestimmt. Zuvor hatte Peking den im indischen Exil lebenden 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, beschuldigt, die schweren Unruhen vom März des Vorjahres angezettelt zu haben.

"Demografische Aggression"

Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Dalai Lama hat Peking wiederholt schwere Menschenrechtsverstöße in seiner Heimat vorgeworfen, unter anderem Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen. Die chinesische Siedlungspolitik in Tibet verurteilte er als "kulturellen Völkermord". Die massive Ansiedlung von Han-Chinesen sei eine "demografische Aggression", um die Tibeter zur Minderheit im eigenen Lande zu machen. (APA/dpa)

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