Wir ergrauen nicht einfach, wir oxidieren

25. Februar 2009, 13:13
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Forscher analysieren, was im Haar abläuft: Wasserstoffperoxid verhindert im Lauf des Lebens allmählich die Bildung von Melanin

New York/Bradford/Mainz - Britischen und deutschen Forschern ist es gelungen, die genaue Ursache für die Ergrauung der Haare im Alter darzulegen: Untersuchungen an Zellkulturen menschlicher Haarfollikel zeigten, dass der Farbverlust auf einen hohen Anteil des Wasserstoffperoxids im Haar zurückgeht. Wasserstoffperoxid hemmt die Wirkung des Enzyms Tyrosinase, das wiederum für die Bildung des natürlichen Haarpigments Melanin gebraucht wird. "Das zeigt uns erstmals, dass wir genauso altern wie eine Fotografie oder ein Möbelstück - nämlich durch reaktiven Sauerstoff", sagt Gerald Weissmann, Herausgeber der Fachzeitschrift der Federation of American Societies for Experimental Biology, in der die Studie veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse wertet Weissmann als Durchbruch der Wissenschaft.

Auch die Haarzellen junger Menschen produzieren geringe Mengen an Wasserstoffperoxid, doch im zunehmenden Alter wird diese Menge größer. Auslöser für diesen Überschuss ist die natürliche Abnutzung der Haarfollikel. "Im Alter versagen die Reparaturmechanismen, da sich die Konzentration an Enzymen, der Katalase, verringert, die das Wasserstoffsuperoxid in die ungefährlichen Moleküle Wasser und Sauerstoff zerlegen", erklärt Studienautor Heinz Decker von der Universität Mainz. Zudem schwinden Enzyme, die für die Regeneration geschädigter oxidierter Proteine verantwortlich sind. Dieser Prozess kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Höhere Konzentrationen an Wasserstoffperoxid oxidieren zudem mehrere Enzyme inklusive der Tyrosinase und verhindern in weiterer Folge deren natürliche katalytische Aktivität, die zum Melanin führen sollte. Somit werden die Haare grau und schließlich pigmentlos weiß.

Umkehrbarkeit vorerst noch Science Fiction

Während Decker die bisherigen Ergebnisse als Grundlagenforschung wertet, untersuchen die britischen Studienautoren speziell die klinisch relevanten Aspekte des Ergrauens. "Wir hoffen, durch den näheren Einblick einmal in diesen Prozess eingreifen und ihn unterbrechen zu können", betont Karin Schallreuter von der University of Bradford. Die Dermatologin erforscht derzeit, ob die Katalyse verbessert werden kann, die zur Verringerung des Wasserstoffperoxids führt. Auch ein Rückgängigmachen der Ergrauung sei denkbar, wenngleich man bisher laut Schallreuter noch keine Hinweise für diese Möglichkeit gefunden hat.

Ob der Volksmund recht hat, dass neben der natürlichen Alterung auch Kummer und Sorgen graue Haare bringen, lasse sich nach dieser Forschung wissenschaftlich noch nicht eindeutig beantworten, betont Decker. "Es ist jedoch denkbar, dass auch Stress einen solchen Oxidationsprozess in Gang bringt." (pte/red)

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