Bereits früher technische Probleme des Flugzeugs

26. Februar 2009, 14:01
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Neun Tote, 134 Verletzte - Absturz-Ursache noch nicht geklärt: Experten halten Ausfall der Triebwerke für wahrscheinlich

Amsterdam - Nach dem Absturz einer Boeing 737 der Turkish Airlines bei Amsterdam mit neun Toten ringen holländische Ärzte um das Leben mehrerer Passagiere. Der Zustand von mindestens sechs Menschen gilt als lebensbedrohlich. Insgesamt wurden 86 der 134 Insassen des Flugzeugs verletzt, 24 von ihnen schwer.

Die Black Box wurde am Mittwochnachmittag geborgen und zur Auswertung nach Paris geschickt. Aufschluss erhoffen sich die Ermittler auch von der Auswertung des Stimmrekorders, der aufgenommenen Cockpit-Gespräche. Zugleich geht die Untersuchung der Wrackteile der Boeing weiter. Zur Unterstützung der Untersuchung schickte der Flugzeughersteller Boeing ein Team von Technikern nach Amsterdam.

Maschine brachte beim Landeanflug nicht genügend Leistung

Experten schließen nicht aus, dass der Pilot wegen der technischen Probleme auf dem Feld notlanden wollte. Einen entsprechenden Funkspruch gab es jedoch nicht. Immer mehr Luftfahrtexperten halten einen Ausfall der Triebwerke für wahrscheinlich. Weiters könnte ein instabiler Landeanflug die Ursache gewesen sein. Beides kann sowohl auf Pilotenfehler als auch auf technische Defekte zurückgeführt werden.

Experten der nationalen Einrichtung für Luftfahrtsicherheit gehen davon aus, dass die Maschine beim Landeanflug nicht genügend Leistung brachte.  Angaben von Überlebenden bestätigen, dass die Maschine bei einem zunächst normal erscheinenden Landeanflug plötzlich in den freien Fall überging. Auch Augenzeugen am Boden berichteten, das Flugzeug sei im Vergleich zu anderen Maschinen "erstaunlich tief geflogen". Die Triebwerksgeräusche seien stärker als gewohnt gewesen und plötzlich ausgeblieben. 

Piloten und Crew unter den Toten

Bei der Bruchlandung eines türkischen Verkehrsflugzeugs in Amsterdam sind neun Menschen ums Leben gekommen. Darunter beide Piloten, ein Pilot in Ausbildung und die Cockpit-Besatzung. Die drei Piloten im Cockpit wurden durch eine herausbrechende Instrumententafel beim Aufprall auf den Boden erschlagen. Zur Ursache des Absturzes gibt es noch keine wesentlichen Erkenntnisse, erklärte der Leiter der Untersuchung, Pieter van Vollenhoven. In einem Fernsehinterview äußerte sich der Experte "überrascht" darüber, dass es nicht noch mehr Tote gegeben habe: "Die vielen Überlebenden sind wie ein Wunder".

Maschine zerbrach in drei Teile

Flug TK1951 der Turkish Airlines war am Mittwoch um 8.22 Uhr (7.22 Uhr MEZ) in Istanbul gestartet. Zur Bruchlandung kam es gut drei Stunden später, um 10.31 Uhr. Das Passagierflugzeug der Turkish Airlines stürzte beim Landeversuch in Amsterdam ab. Die Boeing-Maschine stürzte in ein Feld 100 Meter von der Autobahn entfernt, etwa drei Kilometer vor Beginn der Landebahn. Die Boeing 737-800 zerbrach beim Aufprall in drei Teile. Das Heck wurde abgerissen, der Rumpf hinter dem Cockpit zerbrach.

"Alles ging so schnell"

Einer der Überlebenden, Hüseyin Sümer, sagte dem türkischen Fernsehsender NTV: "Wir waren dabei zu landen und verstanden überhaupt nicht, was da passierte. Einige Passagiere schrien in Panik, aber alles kam so schnell." Er sei nach dem Aufschlag durch den Riss im Rumpf ins Freie gelangt, sagte Sümer. Der türkische Verkehrsminister Binali Yildirim sprach von einem Wunder, dass so viele Passagiere überlebt hätten. Es sei Glück gewesen, dass die Maschine auf weichem Boden aufgeschlagen und nicht in Flammen aufgegangen sei.

Schon vor Absturz technische Probleme

Die Passagiermaschine soll schon in der Woche vor dem Absturz technische Schwierigkeiten gehabt haben. Am 18. Februar habe es Probleme mit den Flaps gegeben, einer Auftriebshilfe an der Hinterseite der Flügel, berichteten türkische Medien. Die Auftriebshilfen werden auch beim Start und bei der Landung benutzt.

Nachdem die Piloten auf Probleme hingewiesen hätten, sei an dem Flugzeug gearbeitet und ein Problem gelöst worden. Am Montag dieser Woche sollen Piloten einen Start mit der Boeing 737-800 abgebrochen haben, weil das Warnsystem Master Caution aufleuchtete. An der Maschine wurde danach erneut gearbeitet.

Triebwerk nahezu intakt

Ein Triebwerk lag nahezu intakt neben dem Flugzeugwrack im Feld. Das zweite Triebwerk lag etwa 200 Meter entfernt und war erheblich beschädigt.

Sicht war gut

Zum Unglückszeitpunkt sei die Sicht mit 4.500 Metern gut gewesen. Eine erste Durchsicht der Unterlagen habe ergeben, dass die Maschine ordnungemäß gewartet worden sei. Der Pilot Hasan Tahsin habe über viel Erfahrung verfügt.

Ausreichend Treibstoff

Es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass die Maschine zu wenig Treibstoff gehabt habe. Bisher habe man dafür noch keine Anzeichen gefunden.

Passagiere

An Bord der Boeing waren 72 Türken und 32 Niederländer, wie der türkische Botschafter in den Niederlanden, Selahattin Alpar, mitteilte. Die Nationalität der übrigen 30 Insassen wurde nicht bekannt gegeben. Die Auslandsvertretung sei eingeschaltet, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Jens Plötner.

Beileid der Königin

Die niederländische Königin Beatrix sprach den Angehörigen der Toten ihr tief empfundenes Beileid aus. Auch Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende kondolierte wie tausende Menschen. Eine eigens eingerichtete Trauer-Website wurde eingerichtet.

Bei einem Besuch der Unglücksstelle lobte Balkenende den "professionellen Einsatz" aller Rettungskräfte. Dadurch seien viele Menschen in sehr kurzer Zeit aus den Trümmern des Flugzeugs geborgen und die Verletzte sehr schnell in Krankenhäuser gebracht worden. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine Linienmaschine der türkischen Fluggesellschaft Turkish Airlines ist in Amsterdam beim Landeanflug abgestürzt. Ansichtssache zu den Rettungsmaßnahmen

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