Feministische Anmerkungen zur Finanzkrise

25. Februar 2009, 12:00
posten

Keine einmalige Entgleisung, sondern systemisch bedingt: Forscherinnen analysieren Ressourcenverbrauch und Gender

Die deutsche Leitstelle Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit "genanet" widmet sich aktuell der Finanzkrise aus feministischer Sicht und veröffentlicht dazu Positionspapiere von Wissenschaftlerinnen online. Den Anfang machen Uta von Winterfeld vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und Adelheid Biesecker, erimitierte Bremer Wirtschaftsprofessorin und Mitbegründerin des "Netzwerks vorsorgendes Wirtschaften".

Die beiden gehen in ihren Analysen auf Fragen zur Finanzkrise, Ressourcenverbrauch und Gender nach. Einig sind sich beide dahingehend, dass die Krise ist keine einmalige Entgleisung, sondern systemisch bedingt ist. Es sei an der Zeit, über eine andere Form des Wirtschaftens nachzudenken und Alternativen zu entwickeln.

Von Winterfeld zeigt in ihren Anmerkungen die gemeinsamen Ursachen der ökologischen Krise und der Finanzkrise auf. Sie fordert, die Wirtschaft "vom Kopf auf die Füße zu stellen. Wirtschaften dient der Versorgung der breiten Bevölkerung mit dem alltäglich Notwendigen. Wirtschaften ruht auf dem Handlungsprinzip der Sorge. Sorgen und Fürsorgen sind Tätigkeiten, welche die Erde so erhalten, fortdauern lassen und wiederherstellen, dass Menschen so gut wie möglich auf ihr leben können."

Biesecker verdeutlicht in ihrem Beitrag, dass die Maßnahmen zur Krisenbekämpfung, zur Bewältigung der sozial-ökologischen Krise, derselben Rationalität folgen, die die Krise hervorgerufen hat. Deshalb geht es bei der Bewältigung "nicht um Reform, sondern es geht um eine ganz neue "Finanzarchitektur" mit einer neuen Rationalität, der Rationalität des langfristigen Erhaltens des Lebendigen." Am Beispiel des Klimaschutzes demonstriert sie, dass die Maßnahmen zur Krisenbekämpfung derselben Denkweise folgen, die die Krise hervorgerufen hat. (red)

Link

Die beiden Positionspapiere können unter genanet abgerufen werden.

Das nächste Papier erscheint im April. In ihm beleuchtet Ines Weller die Technologiepolitik vor dem Hintergrund der Finanzkrise.

Share if you care.