Schakfeh kündigt Islam-Lehrer

25. Februar 2009, 17:54
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Nach kritischem Standard-Kommentar soll Religionspädagoge nicht mehr lehren

Wien - Ein Kommentar der anderen hat heftige Konsequenzen: Nachdem der muslimische Lehrer Aly El Ghoubashy im Dienstag-Standard seinen Arbeitgeber, die Islamische Glaubensgemeinschaft, offen kritisiert hat, erhielt der Pädagoge, der an einem Gymnasium in Feldkirch unterrichtet, von Präsident Anas Schakfeh prompt sein Kündigungsschreiben.

El Ghoubashy hatte in seinem Beitrag etwa gemeint, dass der Islamunterricht ein „Ghettodasein" der jungen Muslime forciere. Die Glaubensgemeinschaft habe „Lehrer mit Büchern und Fachinspektoren in die Schulen geschickt, die nicht geeignet sind". El Ghoubashys Conclusio: „Die IGG (Islamische Glaubensgemeinschaft, Anm. d. Red.) scheint dafür unfähig zu sein. Die Krise, die wir jetzt haben, hat sie selbst hervorgerufen."

"Nicht zumutbar"

Unter dem Betreff „Entzug der Lehrerermächtigung" schrieb das Oberhaupt der Muslime Österreichs dem Kritiker aus den eigenen Reihen: „Sie haben in diesem Gastkommentar nicht nur Ihre Arbeitsgeberin für unfähig erklärt und somit ihrem Ruf mutwillig enormen Schaden zugefügt, sondern Sie haben auch die ganze islamische Community für gesellschaftsfremd und integrationsunwillig erklärt. Dazu haben Sie Ihre Vorgesetzten, die Fachinspektoren, für nicht geeignet abqualifiziert und die Islamischen Vereine verunglimpft."

Außerdem wirft Schakfeh dem aufsässigen Lehrer in dem Brief vor: „Wenn man Ihren Gastkommentar (...) liest (...), muss man zur Überzeugung gelangen, dass Sie sich mit der islamischen Community in einer denkbar schlechten Gesellschaft befinden, was eigentlich für Sie als einen ehrbaren Bürger nicht zumutbar sein sollte."

Zum Schluss kommt der Präsident dann unmissverständlich auf den Punkt: „Durch Ihre Behauptungen und Beschuldigungen (...) haben Sie jede Grenze des Zumutbaren und Tolerierbaren überschritten", erklärt Schakfeh, und: „Aufgrund dessen sieht sich die Islamische Glaubensgemeinschaft veranlasst, Ihre Lehrermächtigung für den islamischen Religionsunterricht mit sofortiger Wirkung zu entziehen."

Grüne sind empört

Schakfeh rechtfertigt seinen Entscheid im Standard-Gespräch ähnlich: „Wenn Sie Angestellte haben, die die gesamte Organisation schlechtmachen, werden Sie ihn behalten?", fragt er.

Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen und karenzierter Direktor am Gymnasium in Feldkirch, ist über Schakfehs Schritt jedenfalls empört. „Aly El Ghoubashy unterrichtet aufgeschlossen und sehr zeitgemäß." Der Grüne fordert nun eine „sofortige Rücknahme des Entzugs der Lehrerermächtigung" sowie Konsequenzen für Schakfeh als zuständigen Leiter des Schulamtes. „Er ist nach dieser Aktion nicht mehr tragbar."

El Ghoubashy selbst kann angeblich nach einer ersten Absprache mit Walser an seiner Schule zwar vorerst weiterunterrichten. Zur Kündigung vonseiten der Glaubensgemeinschaft meint der ausgebildete Werklehrer, der 2001 eine Prüfung zum Islam-Pädagogen absolviert hat, aber: „Die haben ein Problem mit mir, weil ich etwa nicht aus ihren Büchern unterrichte. Aber wir sind hier nicht in der Türkei oder Ägypten. Wir sind in Österreich. Als Lehrer muss man da den Mund aufmachen. Immerhin geht es um unsere Schüler." (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 26.2.2009)

  • Für Schakfeh unzumutbar: Islam-Pädagoge El Ghoubashy.
    foto: privat

    Für Schakfeh unzumutbar: Islam-Pädagoge El Ghoubashy.

  • Brief der IGGiÖ an den Lehrer.

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