Telekom-Vorstand stolpert über "Videoaffäre"

25. Februar 2009, 11:26
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Schieszler muss nach zweifel­haften Aussagen zum Abbau beamteter Mitarbeiter die Personalagenden abgeben

Wien - Telekom Austria-Vorstandsdirektor Gernot Schieszler muss die Personalagenden an Hannes Ametsreiter abgeben. TA-Chef Boris Nemsic sagte in der heutigen Bilanz-Pressekonferenz sinngemäß, dass solche Äußerungen nicht der Kultur des Hauses entsprechen würden. Schieszlers Chef bemühte sich um Schadensbegrenzung und betonte: "Es gibt kein Mobbing bei der Telekom Austria."

Die in den letzten Tagen aufgeflammte "Affäre" um ein You Tube-Video, in dem Schieszler vor Investoren erklärt, wie beamtete Mitarbeiter zu Golden Handshakes bewogen werden könnten, sind der Grund für diesen Schritt. (DER STANDARD hat berichtet).  Der Konzern betont einmal mehr die Freiwilligkeit der Angebote. Konzernsprecherin Elisabeth Mattes wiederholt zu derStandard.at was der Konzern nicht müde wird hervorzuheben: Es gebe Beratung, Jobcoaches und eine arbeitsmedizinische Überprüfung, die das Vorgehen in Sachen Abbau überzähliger Beamter auditieren werde.

Die Personalvertretung der Telekom Austria zeigt sich besänftigt. Man habe beschlossen, die geplanten Arbeitsgruppen mit dem Management über die Erschließung zukünftiger Geschäftsfelder und Beschäftigungsmöglichkeiten wieder aufzunehmen, teilte der Vorsitzende der TA-Personalvertretung, Michael Kolek, am Mittwoch in einer Aussendung mit. "Klar ist allerdings, dass der Vorstand sich nun umso mehr bemühen wird müssen, um das notwendige Vertrauen wieder zu erlangen", sagte Kolek. "In den Arbeitsgruppen wird sich zeigen, ob der Vorstand wie wir die besten Lösungen für das Unternehmen und seine Beschäftigten verfolgt, oder nur den für ihn bequemsten Weg gehen will: MitarbeiterInnen sinnlos nach Hause zu schicken und aus dem Unternehmen zu drängen", so Kolek in der Mitteilung.

Jahresverlust

Die börsenotierte Telekom Austria hat im Geschäftsjahr 2008 trotz einer Steigerung der Umsatzerlöse um 5,1 Prozent auf 5,17 Mrd. Euro einen Jahresverlust von 48,8 Mio. Euro (2007: +492,5 Mio. Euro) eingefahren. Das teilte die TA am Mittwoch früh ad hoc mit. Das Betriebsergebnis lag mit 135,5 Mio. Euro um 82,2 Prozent unter jenem des Vorjahres, das EBITDA (Betriebsergebnis vor Abschreibungen) ging um 30,2 Prozent auf 1.295,6 Mio. Euro zurück - die Ergebniszahlen entsprechen somit weitgehend den Erwartungen der Analysten.

Bereinigt um Rückstellungen für den geplanten Personalabbau im Festnetzbereich in Höhe von 632,1 Mio. Euro beträgt das EBITDA 1.927,7 Mio. Euro (+3,9 Prozent).

Der Verlust pro Aktie betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 11 Cent (2007: +1,09 Euro). Für die Dividende je Aktie habe man für den Zeitraum 2009 bis 2012 jedoch eine Untergrenze von 75 Cent festgelegt, teilte das Unternehmen mit. Zur Dividenden-Ausschüttung für 2008 wurde vorerst nichts mitgeteilt.

Nettoverlust im vierten Quartal

Die Aufwendungen der Telekom Austria im 4. Quartal in Höhe von 632,1 Mio. Euro für das Restrukturierungsprogramm führten zu einem negativen EBITDA in Höhe von 212,0 Mio. Euro. Ohne Berücksichtigung der Restrukturierungsaufwendungen stieg das EBITDA um 7,4 Prozent auf 420,1 Mio. Euro. Der Betriebsverlust betrug 516,1 Mio. Euro und der Nettoverlust 437,7 Mio. Euro im 4. Quartal 2008 als Folge der Aufwendungen in im Rahmen des Restrukturierungsprogramms. Der Verlust je Aktie betrug im 4. Quartal 0,99 Euro.

Im 4. Quartal 2008 stieg der Umsatz der Telekom Austria gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 1,4 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Für den höheren Umsatz seien vor allem die gute Performance der Mobilkom Austria und der weißrussischen Velcom verantwortlich gewesen, wie die TA am Mittwoch früh weiter mitteilte. Die Velcom wurde 2008 erstmals ganzjährig konsolidiert.

Für 2009 werden Umsatzerlöse in Höhe von rund 5,1 Mrd. Euro erwartet. Das EBITDA soll auf 1,9 Mrd. Euro steigen.

Plus bei Zahl der Mobilfunk-Kunden

Der seit Jahren anhaltende Rückgang der Festnetz-Anschlüsse hat sich dank der Einführung von Produktbündeln im letzten Quartal 2008 verlangsamt - im November und Dezember sei sogar eine Trendwende eingetreten und es habe Neuzugänge gegeben, hieß es bei der Bilanz-Pressekonferenz am Mittwoch. Die Anzahl der Festnetzanschlüsse ging im Jahr 2008 um 97.600 auf 2,3 Millionen Anschlüsse zurück, nach einem Rückgang von 224.500 Anschlüssen im Vorjahr.

Die Umsatzerlöse im Segment Festnetz sanken 2008 um 4,4 Prozent auf 2,039 Mrd. Euro. Höheren Erlösen aus Daten & IT-Lösungen standen geringere Erlöse aus Internetzugang & Media und Sprachtelefonie gegenüber.

Im Mobilfunk-Geschäft legten die Umsätze hingegen um 11,7 Prozent auf 3,391 Mrd. Euro zu. Dieses Wachstum sei von allen Tochtergesellschaften getrieben worden, trotz der niedrigeren Roaming-Umsätze aufgrund der Einführung der EU-Roaming-Regulierung, betonte Telekom-Austria-Chef Boris Nemsic. Ohne die weißrussische Velcom stiegen die Mobilfunk-Umsätze um 3,9 Prozent auf 3,086 Mrd. Euro. Die Anzahl der Mobilfunk-Kunden stieg um 15,2 Prozent auf 17,8 Millionen (per 31. Dezember 2008).

Zum Wachstum beigetragen haben die erstmals ganzjährige Konsolidierung von Velcom (vormals MDC) in Weißrussland sowie höhere Beiträge aus den Tochtergesellschaften in Serbien und in Mazedonien, die erst im Jahresverlauf 2007 ihren operativen Betrieb aufgenommen haben. (APA/red)

Video auf der Telekom Austria-Homepage (Start video - Fixed Net, Finance)

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