Konzern muss Kurzarbeit ausweiten

25. Februar 2009, 17:56
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Kündigungen werden nicht ausgeschlossen, die Gewerkschaft sperrt sich gegen Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich

Da der Geschäftsmotor stottert, muss Voestalpine-Chef Wolfgang Eder die Kurzarbeit ausweiten. Kündigungen schließt er nicht aus.

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Wien - Voestalpine-Generaldirektor Wolfgang Eder hat am Mittwoch ausgesprochen, was unter Gewerkschaftern nur hinter vorgehaltener Hand erzählt wird: Der Linzer Stahl- und Verarbeitungskonzern verhandelt mit seinen Belegschaftsvertretern nicht nur über Ausweitung der Kurzarbeit und weiteren Arbeitsplatzabbau, sondern diskutiert auch über Arbeitszeitverkürzung - ohne Lohnausgleich, versteht sich.

Produktion nicht ausgelastet

"Wir wollen so viele Mitarbeiter wie möglich in Beschäftigung halten", versicherte Eder in einer Telefonkonferenz. Aber die Produktionskapazitäten des Konzerns seien derzeit im Schnitt nur zu 70 Prozent ausgelastet. Sollten die Bedingungen für die Kurzarbeit - heute, Donnerstag, wollen die Sozialpartner ihr Papier mit Behaltefristen vorlegen - zu schlecht sein und die Behaltefrist zu lang, "könnten wir die Kurzarbeit auch ohne Arbeitsmarktservice machen. Wir reden darüber auch mit der Belegschaft, das ist aber nur eine Möglichkeit von mehreren" , sagte Eder, der den AMS-Zuschuss für drei Monate Kurzarbeit von 5500 Beschäftigte mit 4,1 Millionen Euro bezifferte.
Als Wunschkonzert, bei dem sich Voestalpine komfortable Bedingungen für die Kurzarbeit bestellen wolle, oder gar als Erpressungsversuch wollte der Voest-Chef den Vorstoß (der mit erheblichen Lohn- und Gehaltseinbußen für die Belegschaft verbunden wäre, Anm.) nicht verstanden wissen. Als "Schmerzgrenze" bei sechs Monaten Kurzarbeit nannte er angesichts der unkalkulierbaren Konjunktur- und Nachfragesituation allerdings maximal drei Monate" Behaltefrist. "Zwei Monate wären noch besser."
"Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich kommt für uns überhaupt nicht infrage" , stellt Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer klar, "diese Tür bleibt zu." Und: "Null Monate Behaltefrist wird es auch nicht geben, auch nicht in einzelnen Regionen," Die Richtlinie der Sozialpartner werde für alle gelten. Ablehnung auch bei Karl Proyer von der Privatangestelltengewerkschaft GPA: "In einem demokratischen Land dürfen alle reden. Aber vieles ist nicht relevant, weil wir haben Spielregeln, und die gelten."

Wenig Hoffnung

Die von Eder geschilderte Lage gibt wenig Hoffnung: "Im Moment leben wir von der Hand in den Mund." Ein Silberstreif sei erst nach dem Schlussquartal (per 31. März) in Sicht. Da sollten niedrigere Rohstoff- und Legierungspreise wirken, die Verhandlungen über Lieferkonditionen beginnen demnächst. Dann sollte das auf der Kostenseite schwierigste Quartal im Jahr 2009 überstanden sein. Den operativen Gewinn sieht Eder von 1,15 auf eine Milliarde Euro sinken. Eine Dividende will er jedenfalls zahlen, aber weniger als 2,10 Euro je Aktie.
Aktuell arbeiten 7600 Voestler kurz, davon 5500 in Österreich. 406 Mitarbeiter der Böhler Bleche in Mürzzuschlag, kamen am Mittwoch dazu. 1412 Leiharbeiter wurden bereits gekündigt - davon 747 im Inland. Rund 300 der konzernweit 42.062 Arbeitnehmer wurden bis jetzt gekündigt. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.2.2009)

 

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