Bei Lieferanten trennt sich jetzt Spreu vom Weizen

24. Februar 2009, 19:02
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Einkaufsmanager schränken in Zeiten der Krise Zahl der Zulieferfirmen radikal ein und forcieren Partnerschaften

Wien - Der Wirtschaftsabschwung setzt die Beziehungen zwischen Industrieunternehmen und Zulieferfirmen einem Stresstest noch nie gesehenen Ausmaßes aus. "Alle müssen sparen - Kunden, Produzenten, Lieferanten. Die Verfügbarkeit ist nicht länger das entscheidende Kriterium. Jetzt ist Flexibilität gefragt", sagte der geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ), Heinz Pechek, dem STANDARD.

Im Durchschnitt werden mehr als 50 Prozent der in der Industrie erzielten Wertschöpfung zugekauft. Dem Einkauf komme somit gerade in Zeiten der Krise die strategisch wichtigste Funktion zu. "Jetzt trennt sich auch bei den Lieferanten die Spreu vom Weizen", sagte Pechek.

Das bestätigt auch Richard Schaller, der den Einkauf beim globalen Leiterplattenhersteller AT&S managt. "Angesichts abgespeckter Auftragsbücher stellt sich die Frage, welche Lieferanten bringen mir in meinem Portfolio einen Konkurrenzvorteil, mit welchen sind strategische Kooperationen und Partnerschaften möglich und welche ziehe ich nur mit. Letztere können nur opportunistisch in Anspruch genommen werden", sagte Schaller.

Grundstock an Zulieferern

"Alle haben zu sparen begonnen, der Druck der Autoindustrie auf die Preise ist voll im Gang", sagte der Einkaufschef von AVL List in Graz, Christian Haring. "Es werden Nachlässe von 17 bis 20 Prozent gefordert; soviel gibt das Rohmaterial nicht her. Und auch Löhne und Gehälter sind nicht so flexibel, dass wir entsprechend reagieren könnten."

Eine enge Kommunikation mit Kunden und Lieferanten sei in der gegenwärtigen Situation das Um und Auf. Haring, der auch Präsident des BMÖ ist und als solcher einen Branchen übergreifenden Blick hat, sieht vor allem in Lieferantenpartnerschaften noch viel schlummerndes Potenzial, das gehoben werden könnte.

Auch Schaller, Leiter Einkauf bei AT&S, schlägt in dieselbe Kerbe: "Wir bestärken gute Lieferanten auch zu Partnerschaften mit Mitbewerbern. Bei kurzfristigem Cash-Bedarf eines Partners können wir gemeinsam an einer für beide Seiten vorteilhaften Lösung arbeiten, um seine Lieferfähigkeit aufrecht zu erhalten."

Letztlich gehe es darum, die Krise möglichst unbeschadet zu überstehen, um dann, wenn die Konjunktur wieder anspringt, weiterhin voll lieferfähig zu sein. Ohne einen Grundstock an zuverlässigen Lieferanten sei dies nicht möglich.

AT&S arbeitet mit rund 1000 Zulieferern zusammen. Vor einem Jahr noch wurde rund 80 Prozent des Volumens mit 45 Lieferanten abgewickelt. Inzwischen ist diese Zahl auf 35 geschrumpft. "Wir fokussieren uns auf die Besten der Besten", sagte Schaller. "Wir glauben, dass die mit einer deutlich verbesserten Kostenstruktur aus der Krise hervorgehen und die Überflieger sein werden, wenn es wieder aufwärts geht." (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2009)

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