Das überlaufende Fass

24. Februar 2009, 19:02
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Wieso Herr Lodwick dem Bürgermeister nicht mehr ins Haus kommt

Mehr und mehr missfällt dieser Todd Lodwick. Zuerst hat er als Höhepunkt seiner Comebacksaison nach zweijähriger Schaffenspause die ersten beiden Goldmedaillen der Nordischen Kombinierer in Liberec abgeräumt.

Gut, soll sein, aber erst im Juli des Vorjahres, sagt der 32-Jährige aus Colorado, habe er - pomali, pomali - wieder einmal eine Schanze zwecks Springens besucht. Gut, Langlaufen war er davor schon hin und wieder daheim in Steamboat Springs, aber nur so zum Spaß.

Schon könnte da zum Beispiel bei den noch nicht dekorierten Österreichern der Gedanke aufkommen, dass kontinuierliches Training, Jahr für Jahr, zumindest in der Vorbereitung auf Großereignisse nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Oder sie könnten denken, dass Lodwick gerne ein wenig schwindelt.

Was sich aber Lodwick im Haus der Tschechen mit Bürgermeister Jiøí Kittner geleistet hat, das schlägt dem Fass ins Gesicht, quasi. Man reichte ihm ein frischgezapftes Krügerl vom Hiesigen, er schnupperte daran, kostete und lobte verhalten. Das daheim in Amerika Ausgeschenkte schmecke ihm besser. Überhaupt die Light-Variante. Und Kittner solle nicht traurig sein, weil das von ihm, Lodwick, Geschätzte klinge ja auch irgendwie tschechisch.

Kittner, ein lebensfroher, leicht rundlicher Mann, der mit seiner Privatfirma übrigens nicht unwesentlich am WM-Sponsoring beteiligt ist, hat sich ziemlich verkutzt. Und wohl gewünscht, diesen Lodwick nicht mehr empfangen zu müssen nach einer Medaillenfeier. Dann schon lieber die Österreicher. Die haben sich zwar Fässchen mit Eigenem nach Liberec mitgebracht, aber allerweil. (DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 25. Februar 2009, lü)

 

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