"Regeln sind einzuhalten"

24. Februar 2009, 18:25
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NADA-Geschäftsführer Andreas Schwab über Ibertsberger, Happel und Gandler. Über Sperren, ihre Verhältnismäßigkeit und Melde­pflichten - STANDARD-Interview

Standard: Was droht Ihrer Meinung nach dem Teamfußballer Ibertsberger, der zehn Minuten zu spät zur Dopingkontrolle kam?
Schwab: Der Fall Ibertsberger ist vielschichtig. Er wird zunächst von der Disziplinarkommission des DFB behandelt, in Österreich wären wir da schon weiter, da wäre die unabhängige Rechtskommission der Nada zuständig.

Standard: Möglich, dass Ibertsberger freigesprochen wird?
Schwab: Dann müsste er wohl gravierende Gründe angeben können für seine Verspätung. Und er müsste die zehn Minuten unter Aufsicht eines sogenannten Chaperones, etwa des Klubarztes, gewesen sein. Einen DFB-Freispruch allerdings könnte die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada beeinspruchen, dann landet der Fall vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS.

Standard: Der CAS hat zwei italienische Fußballer in einem ähnlichen Fall für ein Jahr gesperrt.
Schwab: Dieser Fall ist sehr konsequent beurteilt worden. Ich kann da weder vergleichen noch vorgreifen. Das wäre Kaffeesudlesen.

Standard: Kann es sein, dass ein Bundesliga- und Teamkicker einfach nicht weiß, wie eine Dopingkontrolle abzulaufen hat?
Schwab: Das kann nicht sein. Er hat sicher schon mehrere Kontrollen hinter sich. Die Spieler wissen, was sie da zu tun haben. Bei der EURO 2008 gab's insgesamt 300 Dopingtests, die alle völlig korrekt und problemlos gelaufen sind.

Standard: Der zu kontrollierende Spieler muss pünktlich sein, damit er nicht manipulieren kann.
Schwab: Ich bin mir ganz sicher, dass Ibertsberger nicht manipuliert hat. Aber darum geht es nicht. Die Sportler müssen zur Kenntnis nehmen, dass Regeln einzuhalten sind. Hansi Müller hat mir einmal von Innsbruck-Trainer Ernst Happel erzählt, der um acht Uhr, zur vereinbarten Abfahrtszeit, vom Chauffeur gefragt wurde, ob alle Spieler im Bus wären. Darum geht es nicht, hat Happel gesagt, es ist acht Uhr, wir fahren. Zwei haben gefehlt - aber nur das eine Mal.

Standard: Wie steht's mit der Verhältnismäßigkeit? Ein Radfahrer, der erwiesenermaßen mehrmals gedopt hat, wird zwei Jahre gesperrt, ein Fußballer, der zu spät zur Kontrolle kam, ein Jahr. Passt das?
Schwab: Das zu beurteilen ist nicht meine Aufgabe. Darüber müssen sich die jeweilige Rechtskommission oder die Wada Gedanken machen und die Länder, wenn sie ein Anti-Doping-Gesetz erlassen.

Standard: Spitzensportler müssen der Wada drei Monate im Voraus ihre Aufenthaltsorte nennen und pro Tag einen Ort und eine fixe Stunde für etwaige Dopingtests. Viele sehen ihre Privatsphäre verletzt, einige haben schon geklagt.
Schwab: Das ist nur die eine Gruppe von Sportlern. Andere sind mit strengen Regeln durchaus einverstanden. Unsere besten Biathleten etwa haben laut Markus Gandler kein Problem damit. Die geben für jeden Tag eine Stunde an, zu der sie sicher erreichbar sind, weil sie zum Beispiel eh beim Frühstück sitzen. Die meisten Sportler führen ja ein sehr geregeltes Leben.

Standard: Oft aber kann sich von einem Tag auf den anderen einiges ändern. Bei einem Tennisspieler etwa, der ausscheidet und kurzfristig auf Urlaub fahren will.
Schwab: Der kann im Internet mit einem Passwort seine Daten zumindest zwei Stunden im Voraus jederzeit ändern. Ich geb schon zu, das erfordert einen gewissen Aufwand. Es geht halt darum, den Sportler immer mit Sicherheit erreichen zu können. Die Wada ist deshalb sehr streng geworden, weil sich Sportler früher oft den Kontrollen entzogen haben. Und Trainingskontrollen sind nun einmal sehr wichtig. Viele Experten sagen, dass sich in den Wettkämpfen nur noch Idioten erwischen lassen.

Standard: Welche Sportler befinden sich im Registered Testing Pool (RTP), für den die strengen Meldepflichten gelten?
Schwab: Das sind absolute Spitzensportler, zum Beispiel die Ski-Weltcup-Mannschaften und nationale A-Kader. In Österreich sind etwa 200 Sportler im RTP.

Standard: Darunter allerdings auch Bahnengolfer und, nur zum Beispiel, 18 Eisstocksportler.
Schwab: Das liegt wohl daran, dass die von ihren internationalen Fachverbänden als top eingestuft wurden. Aber ich gebe schon zu, das müsste nicht sein, da würde der nationale Pool mit weniger strengen Meldefristen absolut ausreichen. Das ist eine bürokratisch zu lösende Aufgabe. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 25. Februar 2009)

 

 

ZUR PERSON:

Der Steirer Andreas Schwab (56), wohnhaft in Schladming und Wien, war Bobfahrer, eigentlich Bremser (Olympiavierter 1976). Berufliche Stationen: Gendarmerie, Adidas, Sporthilfe, Planai Bergbahnen, Golfverband; seit Juli 2008 Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada). Verheiratet, vier Kinder.

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    Andreas Schwab: "Die Spieler wissen, was sie da zu tun haben"

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