Loch auf, Loch zu

24. Februar 2009, 18:08
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Weil das Institut "to big to fail" ist, muss gehandelt werden - Von Bettina Pfluger

Eigentlich ist es kaum zu glauben: Da hat der Staat dem US-Versicherer AIG gerade erst rund 150 Milliarden Dollar zugeschossen, und dennoch legt dieser jetzt den größten Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte aufs Parkett, steht erneut vor dem Zusammenbruch. Das Ziel lautet seit September 2008: Pleite abwenden. Nun weist AIG aber im vierten Quartal 2008 ein Minus von satten 60 Milliarden Dollar (46,9 Mrd. Euro) aus.

Weil das Institut "to big to fail" ist, muss gehandelt werden. Lässt man AIG nämlich in die Pleite schlittern, würden sich die Schockwellen weltweit ausbreiten, was in diesem Fall - wegen der Sale-and-lease-back-Verträge - sogar auf österreichische Gemeinden durchschlagen würde.

Mittlerweile muss man sich aber fragen, ob die reine Kapitalzufuhr ein probates Mittel ist. Denn wohin versickert all die staatliche Hilfe, wenn jedes Quartal für einen neuen und größeren Schock sorgt? Der nächste Wackelkandidat steht mit der Citigroup bereits ante portas.

Es muss daher hinterfragt werden, ob es die richtige Strategie ist, die kollabierenden Systeme mit Geld zu fluten, wenn an der Basis alles bleibt wie zuvor. Dort, wo sich ein Bilanzloch auftut, wird gestopft. Andererseits ist seit dem Kollaps von Lehman Brothers das Vertrauen der Banken untereinander dahin, weshalb man eine weitere Pleite nicht riskieren will. Es regiert die Hoffnung, dass die Finanzlücken keine schwarzen Löcher werden, die letztlich doch alles in sich aufsaugen werden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2009)

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