Ein Wohnrezept für mich allein

24. Februar 2009, 18:03
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Keine Lust auf eine Küche von der Stange? Immer mehr Architekten übernehmen auch die Planung von Küchen

Die gestalterische und preisliche Bandbreite von individuellen Lösungen ist so groß wie im Küchenstudio.

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Lange Zeit wurde der Küche nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der zentrale Raum fürs Personal war aus der architektonischen Gesamtkonzeption des Hauses beinahe völlig ausgeblendet. Die Wege waren lang, die Arbeitsschritte mühsam und die Ergonomie alles andere als optimal. Die erste Einbauküche der Welt und somit die Revolution des Kochens ist der österreichischen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky zu verdanken. Sie entwickelte 1926 die sogenannte Frankfurter Küche.

Heute ist die Küche aus dem Wohnverband nicht mehr wegzudenken. Viele Architekten setzen sich intensiv mit Küchenplanung auseinander und bieten durchaus konkurrenzfähige Alternativen zur Kochzeile aus dem Küchenstudio. "Wenn ich von A bis Z ein Haus plane, dann ist die Küche zwangsweise ein Teil dieses Gesamtkonzepts", erklärt der Wiener Architekt Heinz Lutter. Die meisten Küchen am Markt seien zwar technisch ausgereift, die individuellere Lösung könne jedoch in jedem Falle der Architekt liefern.

"Ich kann auf die Kundenwünsche und auf den Charakter des Gebäudes wesentlich besser eingehen als jedes Küchenstudio", so Lutter und verweist auf jene Küche, die er erst unlängst für ein Einfamilienhaus in Wien-Währing konzipiert hat. Die Anordnung der Möbel ist dem Raum zentimetergenau angepasst, die Materialwahl nimmt Bezug auf das restliche Haus. So sind die Seitenteile aus dunklem Holz, Fronten und Arbeitsplatte jedoch aus großformatigen keramischen Platten - fugenlos, beständig gegen Küchenflüssigkeiten und resistent gegen mechanische Einflüsse.

Einzelstück

Eine ganze Küche aus der Feder eines Architekten? Das klingt teuer. "Alles relativ. Man kann davon ausgehen, dass eine maßgeschneiderte Küche mitsamt Planungsleistung und Bau gleich viel kostet wie ein hochwertiges Produkt von Bulthaup oder Poggenpohl", entgegnet Lutter, "mit dem Vorteil, dass man ein unverwechselbares Einzelstück bekommt."

Das sei den Aufwand nicht wert, erklärt Christine Diethör vom Wiener Architekturbüro Raumkunst. "Die fertigen Küchensysteme sind mittlerweile so weit ausgefeilt und bieten derart optimale Lösungen, dass man es in der Einzelplanung kaum besser machen kann - und billiger schon gar nicht."

Gemeinsam mit ihrem Partner Harald Fux greift sie in der Küchenplanung immer wieder auf bestehende Systeme zurück - wiewohl mit einem Schuss Eigenkreation: Korpus und Technik werden beim Profi eingekauft, Frontteile und Arbeitsplatte hingegen werden eigens entworfen. "Die Fronten stimmen wir in Form, Farbe und Material mit dem restlichen Wohnbereich ab. Diese Vorgangsweise hat sich bewährt. Sie ist sinnvoll, individuell und günstig."

Archaisches Kocherlebnis

Einen ganz anderen Weg schlägt Felix Muhrhofer mit seiner sogenannten Cuka ein. Statt eines fix- fertigen Einbaumöbels entwickelte er frei stehende Module, die mittels Füßen vom Boden entkoppelt sind und die lediglich miteinander verschraubt werden - ganz nach dem Motto: Jede Cuka eine Koch-skulptur. "Der Luftraum ist eine hygienische Maßnahme, um unter dem Möbel besser wischen zu können", sagt Muhrhofer - ein Faktor, der in einer Küche nicht zu unterschätzen sei.

Wichtigstes Element seiner maßgefertigten Küche ist jedoch die Arbeitsplatte aus Steinterrazzo. "Das Material ist robust, haptisch sehr angenehm und verleiht dem Kochen etwas Archaisches, was über die Jahrzehnte ja leider verlorengegangen ist." Um das zu unterstreichen, ist das Waschbecken in einem Guss und fugenlos in die Arbeitsplatte eingelassen. "Das ist ein Detail, das man in einer Küche von der Stange nicht bekommt", erklärt Muhrhofer. Manche Kunden wüssten das zu schätzen.

Die Preispalette ist breit gefächert: Ab 1600 Euro pro Laufmeter für Korpus, Front und Arbeitsplatte ist man mit dabei. Aufwändige Ausführungen und edle Hölzer treiben den Preis auf 4000 Euro hoch. Eines haben Architekt und Küchenstudio letztlich gemeinsam: Es ist der Kunde, der über die Qualität entscheidet. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.2.2009)

  • Individuell geplant: Wie einst Margarete Schütte-Lihotzky setzen sich
einige Architekten immer wieder mit Küchenplanung auseinander.
    Collage: STANDARD/Druml

    Individuell geplant: Wie einst Margarete Schütte-Lihotzky setzen sich einige Architekten immer wieder mit Küchenplanung auseinander.

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