Voest rechnet mit Horrorszenarien

24. Februar 2009, 18:37
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Gewinneinbruch, Kurzarbeit, ein Sozialplan und mehr Stornos als Eingänge in den Auftragsbüchern machen Neunmonats-Bilanz spannend

Wien - Massiver Auftragseinbruch, Kündigungen und Sozialpläne im großen Stil - je tiefer die Finanzkrise in die Realwirtschaft durchschlägt, desto mehr schießen Horrormeldungen über Zukunft und Zustand der Voestalpine ins Kraut. Aufsichtsratsmitglieder einzelner Konzernsparten wollen von bis zu 80 Prozent Minus in der Stahlproduktion wissen, andere von einem Sozialplan für bis zu 2200 Beschäftigte, über den intensiv verhandelt werde. Im Stahl- und Verarbeitungskonzern mit Sitz in Linz weist man derartige Informationen zurück, räumt aber ein, dass Horrorszenarien rauf und runtergerechnet und auch nicht mehr ausgeschlossen würden.

Wohl gebe es einzelne Töchter unter den Automobilzulieferern, denen es "katastrophal schlecht" gehe, bei den massiven Einbrüchen handle es sich aber um Momentaufnahmen im Auftragseingang und nicht in der Produktion. Dass die Produktion in einzelnen Segmenten um 40 Prozent gedrosselt worden sei, dementiert man allerdings nicht. In der Edelstahl-Division Böhler-Uddeholm ist sogar von negativem Auftragseingang die Rede, was bedeutet, dass bei den langfristigen Lieferverträgen derzeit mehr Stornos als Aufträge hereinkämen. Das sei mit ein Grund, warum bei Böhler-Edelstahl in Kapfenberg kurz gearbeitet werde, heißt es. Das sei aber nicht repräsentativ für den Gesamtkonzern. Bahnsysteme in Donawitz etwa laufe dank diverser Konjunkturprogramme sehr gut, Stahl für Energieversorgungsanlagen oder Grobblech für Ölfeldausrüster seien noch gut gefragt.

Ein Sozialplan, über den vor allem arbeitnehmerseitig in der Gewerkschaft zunehmend die Rede ist, sei derzeit kein Thema, versichert ein Voest-Sprecher. Man habe für Qualifizierungsmaßnahmen und geförderte Bildungskarenz schließlich noch immer die Stahlstiftung. Dort, wo kurzgearbeitet werde, also in Linz (bis April) und bei Böhler in Kapfenberg (bis Juli) gebe es drei Monate Kündigungssperre. Bis dahin gilt das Prinzip Hoffnung, die Lage könne sich wieder bessern.

Die Analysten teilen die hypernervöse Einschätzung der Beschäftigten übrigens nicht: Sie schätzen den Umsatz im Gesamtgeschäftsjahr 2008/08 (31. März) zwischen elf und 11,4 Milliarden Euro (nach 10,5 Mrd. Euro im Vorjahr), der Gewinn allerdings werde von 718 auf 539 Mio. Euro schmelzen. Im vierten Quartal, das heute, Mittwoch präsentiert wird, erwarten sie allerdings einen Gewinneinbruch um 63 Prozent auf 59 Mio. Euro.Wiewohl Wirtschaftslage und die Höhe des Gewinns unsicher sind, beschäftigt die größeren Voestaktionäre vor allem eines: Die Höhe der Dividende. Sie soll, versichert man bei der Voest, traditionell vier Prozent auf den Durchschnittskurs ausmachen, sie werde wegen des Kursniveaus absolut natürlich sinken. Die hinter vorgehaltener Hand geäußerte Forderung großer Aktionäre (Oberbank, Mitarbeiterstiftung, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich) nach hoher Dividendenzahlung, sorgt nun für Spannung. Sicher ist nur: Komplett streichen darf die Voest die Dividende nicht, sonst würden auch die Zinsen der Hybridanleihe ausgesetzt und Fonds und andere Anleger würden rebellieren. (Luise Ungerboeck, Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2009)

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