Die falsche Million mit besserer Folie

24. Februar 2009, 17:52
25 Postings

Falschgeld im Wert von über 1,35 Millionen Euro produzierte eine serbische Bande, die in Österreich und ganz Europa aktiv war

Nach monatelanger Datenanalyse wurden die Hintermänner nun festgenommen.

***

Wien - Auch Geldfälscher sind lernfähig. Und so wurde aus "p6" schließlich "p12" . Diese internen Bezeichnungen hat die Nationalbank den falschen 100-Euro-Scheinen gegeben, die seit dem Februar 2007 in Österreich aufgetaucht sind. Die Verbesserung: Die metallisch glänzende Folie auf der rechten Seite schaut professioneller aus. Der Erfolg:13.522 Blüten im Wert von über 1,35 Millionen konnten so produziert und zum Teil in Europa ausgegeben werden. Nun wurde die Druckmaschine der international agierenden Bande von der Polizei angehalten.

Von 11. bis zum 13. Februar wurden vier Männer in Serbien festgenommen, darunter der Blütendrucker und der Geldgeber, berichtete am Dienstag Erich Zwettler vom heimischen Bundeskriminalamt bei einer Pressekonferenz. Damit wurden die monatelangen Ermittlungen abgeschlossen, die Beamte in ganz Europa beschäftigten.

Nachdem die falschen grünen Scheine erstmals in Österreich verwendet worden waren, breiteten sie sich in ganz Europa aus. Auch in Deutschland, den Niederlanden, Griechenland und Italien tauchten sie in den Kassen auf. Österreich übernahm einen Hauptteil der Ermittlungen, die europäische Polizeibehörde Europol koordinierte und analysierte die hereinkommenden Daten wie erfasste Rufnummern und Bewegungsprofile. Aus 100.000 Datensätzen entstand so ein Bild der Organisation.

Immer wieder wurden Verteiler festgenommen, allein 16 Personen in Österreich. Der ausgebildete Drucker, ein 37-jähriger Serbe, fühlte sich in seiner Heimat relativ sicher - auch, weil er mobil war. Als die Exekutive zugriff, wurde die kleine Druckmaschine gerade an einen anderen Ort gebracht. Eine Mobilität, die in diesen Kreisen üblich ist, wie Zwettler sagt.

Berichte von Boulevardzeitungen, dass die Blüten von unglaublicher Qualität seien, da gestohlenes Originalpapier verwendet worden sei, stimmen übrigens nicht, beteuert Stefan Augustin von der Nationalbank. Die bündelweise von ihm vorgelegten Beweisstücke sehen zwar auf den ersten Blick den Originalen ähnlich, das Papier ist jedoch viel glatter als bei echten Banknoten, Wasserzeichen sind viel schlechter ausgeprägt, und die silberne Folie hält einer genaueren Inspektion doch nicht stand. Was noch Raum für die nächste Fälschergeneration lässt. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 25. Februar 2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Grün, aber unecht. Unter Führung österreichischer Polizisten wurde eine Fälscherbande zerschlagen.

Share if you care.