Wien steigt aus weiterem Deal aus

24. Februar 2009, 17:46
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Wien - Immer neue Horrormeldungen über den Zustand des US-Finanzsystems beschleunigen die Flucht aus Vertragskonstruktionen, die vor wenigen Jahren höchst populär waren: Cross-Border-Deals. Nach dem Ausstieg der Wiener Stadtwerke Holding aus zwei von insgesamt sechs sogenannten Lease-and-Lease-back-Geschäften hat nun auch die Stadt Wien die Flucht nach vorn angetreten.

Dieses Mal geht es um das Rechenzentrum der Stadt. Dieses ist 2003 langfristig an Anleger in den USA vermietet und sofort wieder zurückgemietet worden. Die Investoren konnten ihren Einsatz von der amerikanischen Steuer absetzen. Einen Teil der Steuerersparnis floss zurück nach Österreich. Die Gemeinde Wien bekam das Geld als sogenannten Barwertvorteil gleich nach Abschluss des Vertrags ausgezahlt. Wie hoch der war, wird seitens der Stadt Wien verschwiegen. Auch zu Fragen, ob der Ausstieg mit Verlusten verbunden ist, schweigt man sich aus.

Die Wiener Stadtwerke Holding, die noch etwa die Hälfte der Straßenbahnen und U-Bahnen des Tochterunternehmens Wiener Linien in Cross-Border-Deals eingebunden hat, verzichtete bei dem erst vor kurzem erfolgten Ausstieg aus einem Deal auf einen Teil des Barwertvorteils - der Standard berichtete. Die ins Wanken geratene American Insurance Group (AIG) sei eine der Depotbanken. Man habe bisher nie Probleme gehabt und gehe davon aus, dass das so bleibe, sagte ein Sprecher. Immerhin sei der amerikanische Staat inzwischen mit rund 80 Prozent an AIG beteiligt. (mil, stro, DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2009)

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