Krach um Bankenfusion in Frankreich

24. Februar 2009, 17:45
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Präsident Sarkozy will engen Mitarbeiter an die Spitze der neuen Großbank hieven

Paris - Die geplante riesige Bankenfusion in Frankreich wird von herben Misstönen begleitet. Die französischen Sparkassen und Volksbanken wollen am Donnerstag den Zusammenschluss zum zweitgrößten Finanzinstitut des Landes bekanntgeben. Als heißer Kandidat für den Chefposten im neuen Konzern gilt François Pérol. Und genau daran spießt es sich: Der 45-Jährige gehört zu den engsten Mitarbeitern von Nicolas Sarkozy und war früher hochrangiger Manager der Investmentbank Rothschild.

Es ist von Machtmissbrauch die Rede: Es könne nicht sein, dass sich der Staatschef über einen persönlichen Freund strategischen Einfluss in der Finanzwirtschaft sichere, so der Tenor. Sarkozy selbst hat die Ernennung Pérols zum Chef der neuen Riesenbank noch nicht bestätigt. In der Politik wird daran jedoch nicht mehr gezweifelt. "Sarkozy will alles entscheiden, selbst Dinge, die nicht in seinem Aufgabenbereich liegen", klagt der frühere Chef der Sozialisten, François Hollande. Kritik kam auch aus Sarkozys eigenem Umfeld: Es sei falsch, Pérol den Job zu geben.

Pérol, ein studierter Politikwissenschafter, arbeitete erst für den französischen Wirtschaftsminister Francis Mer, später für Sarkozy. 2005 wechselte er zur Rothschild-Bank, um 2007 zu Sarkozy zurückzukehren. Er beriet den Präsidenten unter anderem bei der Fusion von Gaz de France und Suez. Und er war eng in die Ausarbeitung der Details für die geplante Bankenfusion involviert, heißt es aus informierten Quellen. Frankreich will die neue Gruppe dem Vernehmen nach mit rund fünf Milliarden Euro stützen.

Pérol nahm vergangenen Samstag an den Treffen mit den Vorständen von Sparkassen und Volksbanken teil. Der Präsident hungere nach Macht, auch danach, Manager des privaten Sektors zu ernennen, sagte François Goulard, Gesetzgeber aus Sarkozys Reihen, der Zeitung Le Parisien. Die französischen Sparkassen und Volksbanken zählen gemeinsam mehr als 36 Millionen Kunden und betreiben mit 95.000 Mitarbeitern 8100 Filialen. Größer ist in Frankreich nur der Crédit Agricole-Konzern. Beide Institute leiden massiv unter der Finanzkrise und kämpfen mit Verlusten.

emeinsame, wenngleich nur sehr schlechte Erfahrungen haben sie bereits im Investmentgeschäft gemacht, das sie 2006 in einer Tochter fusionierten. Beide mussten erheblich Kapital nachschießen. (Reuters, red, DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2009)

  • François Pérol berät Sarkozy und soll Bankchef werden.
    foto: elysée

    François Pérol berät Sarkozy und soll Bankchef werden.

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