Zu Besuch in Penzinggrad

25. Februar 2009, 13:34
  • Vor Hundert Jahren das Prunkstück der Monarchie: die Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne
    foto: burgstaller

    Vor Hundert Jahren das Prunkstück der Monarchie: die Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne

  • Neu und alt
    foto: burgstaller

    Neu und alt

  • Objekt Sechs von außen...
    foto: burgstaller

    Objekt Sechs von außen...

  • ... Objekt Sechs von innen
    foto: burgstaller

    ... Objekt Sechs von innen

  • Aktionismus im Bundesheer
    foto: burgstaller

    Aktionismus im Bundesheer

  • Der Schutz der Nichtraucher ist dem Bundesheer ein Anliegen...
    foto: burgstaller

    Der Schutz der Nichtraucher ist dem Bundesheer ein Anliegen...

  • ...Energieeffizienz ist keines.
    foto: burgstaller

    ...Energieeffizienz ist keines.

"Sub-Dritte-Welt-Standards" und "lebensbedrohliche Umstände" beim Bundesheer? derStandard.at machte sich in der Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne ein Bild

In Penzing trennt ein Schranken Welten. Die zivile von der militärischen und, glaubt man einer Aussendung der Österreichischen Offiziersgesellschaft, die erste von der vierten. Auf der einen Seite die Breitenseer Straße, auf der anderen die Vega-Peyer-Weyprechts-Kaserne, die Grenze wird von einem Grundwehrdiener bewacht. Der verlässt sein kleines Ein-Quadratmeter-Hüttchen immer wieder, um am Schranken entlangzugehen und sich aufzuwärmen. Dahinter warten Hauptmann Franz Huber, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Kaserne, und Friedrich Tuma, Pressesprecher des Militärkommandos Wien. Beide in Zivil und beide überpünktlich. Sie führen durch die Kaserne.

Morsch und rostig

Der Zustand der Gebäude ist tatsächlich besorgniserregend. Trist sehen sie aus. Vom Außenverputz ist wenig übrig, Fenster sind eingeschlagen, die Türen je nach Material morsch oder rostig. Die Wände wirken auf seltsame Weise bunt: Unter dem übriggebliebenen, gelben Verputz sieht man weißen Mörtel und rote Backsteine. Auf den grauen Metalltüren kleben teilweise Nichtraucherzeichen, vor einem Gebäude steht eine Telefonzelle ohne Telefon. Davor parken Autos, die in Silber, Blau und Rot schimmern.

"Als die Kaserne 1903 gebaut wurde, war sie die modernste im gesamten Kaiserreich", erzählt Hauptmann Franz Huber. Eine Kavalleriestaffel sei hier untergebracht gewesen. Heute leisten hier 60 Rekruten ihren Grundwehrdienst: als Kraftfahrer, Logistiker, Köche oder Wachen. 4000 Soldaten absolvieren jährlich Kurse. Sie schlafen aber nicht in der Kaserne, sondern im Wohnheim gegenüber.

Lang ausständige Renovierungen

Die "VPW", wie die Kaserne militärisch kurz auch genannt wird, musste in den letzten Tagen als Sinnbild für das geringe Bundesheer-Budget herhalten. Die Österreichische Offiziersgesellschaft (ÖOG) drückte es in einer Aussendung drastisch aus: "Wie in Stalingrad" sehe es in der Kaserne aus, manche Objekte hätten "Sub-Dritte-Welt-Standard" und es würden "lebensbedrohliche Umstände" herrschen. Die Aussagen stammen unter anderem von Brigadier Jocham. Der ist einerseits Vizepräsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft, andererseits auch Kasernenkommandant der VPW.

Tuma will sich zu Aussagen von Mitgliedern einer privaten Organisation, wie es die ÖOG sei, nicht äußern. "Natürlich würde man sich mehr Geld für die Renovierung wünschen", sagt er während er durch die Kaserne geht, "aber oberste Priorität hat die Renovierung der Räume, in denen sich die Soldaten aufhalten." Da tropfe nirgends Wasser von der Decke. Dass Ausbildungssäle und Sporthalle unbenutzbar sind, bestätigt er. "Aber da heißt es dann improvisieren."

Wasser im Magazin

Die Unterkünfte der Soldaten sehen wenig lebensbedrohlich aus: Neben einigen Stellen, an denen sich der Verputz löst, sind sie in einem guten Zustand. Die Grundwehrdiener selbst fürchten ebenfalls nicht um ihr Leben: "Bei uns ist alles in Ordnung", sagt ein Gefreiter, der in vier Tagen abrüstet. Einige Objekte würden aber schon sehr baufällig wirken, so wie Objekt sechs.

Objekt sechs - ein Magazin, in dem Ausrüstung untergebracht ist - sieht tatsächlich bedrohlich aus. Ein paar Mal sei bereits Wasser eingedrungen, erzählt ein Unteroffizier. Das erkennt man an manchen Stellen an der Decke. Ob es für Grundwehrdiener nicht gesundheitsschädlich sei, wenn sie sich länger hier aufhalten müssten, um etwa die Ausrüstung zu warten? "Das ist eine Frage, die man beantworten muss", sagt Huber. "Vieles wurde bereits renoviert. Aber die Kosten sind sehr hoch."

Bei der VPW ist das ein besonderes Problem: Sie steht unter strengem Denkmalschutz. Eine Renovierung müsste so erfolgen, dass der Ursprungszustand wieder hergestellt wird. Das ist nochmals um einiges teurer. Zwei Millionen Euro habe er zur Verfügung, 20 brauche er, so Brigadier Jocham im Gespräch mit derStandard.at. Resigniert habe man angesichts des niedrigen Bundesheer-Budgets noch nicht, sagt auch Tuma. "Wenn man mittels Gieskannenprinzip einfach jeder Kaserne ein bisschen geben würde, wäre wohl jeder glücklicher. Aber ich denke nicht, dass das sinnvoll ist."

"Nicht mit Stalingrad 1942 vergleichbar"

Ganz einig scheint man sich innerhalb des Heeres nicht zu sein, in welchem Licht man die Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne erscheinen lassen soll. Die drastischen Aussagen werden beim Rundgang relativiert. Dass die Kaserne in einem schlechten Zustand ist, erkennt man bereits von draußen. Viele Gebäude wirken heruntergekommen und nicht benutzbar. Dass Vergleiche mit Stalingrad aber trotzdem falsch aufgenommen werden könnten, gibt auch Brigadier Jocham im Gespräch mit derStandard.at zu. "Natürlich ist das nicht mit Stalingrad 1942 vergleichbar. Aber mit heutigen Kasernen in Wolgograd (dem früheren Stalingrad, Anm.) kann meine trotzdem nicht mithalten." (Andreas Rossmeissl/ derStandard.at, 25.2.2009)

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nunja...

nicht gerade Stalingrad, aber Pskov oder St. Peterburg

...es gibt neue Kasernen

wie die zB. in Kirchdorf/Krems, die wurden aus Spargründen schon unter dem letzten Minister geschlossen. Das BH hat ohnehin schon eine Sparwelle hinter sich. Aber nach der alten Sozi-Scheisse - Entschuldigung Gequacke wird halt immer noch von der Neutralitaet schwadroniert, vom 34Jahr und anderen Maerchen viel erzaehlt. Passt leider alles nicht zum Thema.

Zum Genieren

Sind das wirklich Gebäude wo österr. Beamte und Grundwehrdiener arbeiten müssen?

Das kann doch nur ein Scherz sein. Normalerweise sollte da das Arbeitsinspektorat sofort einschreiten und den Laden dicht machen!

dafür haben wir aber dank mistwirtschafter schüssel,

die teurofighter! hoffentlich kommen wenigstens schmiegelder zurück!

Dank Darabos und SPÖ haben wir statt der 2. Baureihe die alten, nicht brauchbaren Eurofighter der 1. Reihe bekommen. Einen 5jährigen Dacia zum Preis von 2/3 eines neuen Mercedes, sozusagen.

Denkmalschutz geht zu weit

Wozu setzt man eine Kaserne unter Denkmalschutz bzw. warum kann man den nicht aufheben? So ein Gebäudekomplex kostet nur Geld und bringt nichts - und das auf teurem Grund. Das Geld aus dem Verkauf könnte das Militär gut brauchen, die kaputte Kaserne eher weniger.

Denkmalschutz ist kein Hindernis, die Gebäude zu verkaufen. Höchstens durch den wohl negativen Verkehrswert.

militärs warnen vor lebensbedrohlichen umständen?

"Asylsuchende"

dürften dort nicht untergebracht werden - aber unsere Soldaten.
Super - nicht?

die frage ist auch, ob es der offiziersgesellschaft um die grundwehrdiener, oder doch um eine "schöne" kaserne geht, wo das material unbeschadet untergebracht wird und man gegebenenfalls auch noch ein bissl parade spielen kann.

die frage bleibt eigentlich immer noch offen: nachdem das öbh zu viele panzer hat und luftspielzeug kauft - wo wollen die eigentlich hin, mit ihrem riesigen offiziersapparat und mangels konkreter ziele ?

kann mir jemand erklären

warum 6 milliarden für eine hand voll flieger ausgegeben werden und die rekruten dafür mehr oder minder im dreck leben müssen, keine funkgeräte bekommen (beim grenzeinsatz mit privathandy) usw.`?

6 Milliarden?

Wie kommen Sie auf diese Summe? Bitte im Detail.

Danke.

Das dreifache...

nehmen, und noch mehr, nur damit es imposant aussieht. vielleicht auch, nehmen wir den schilling und rechnen ihn irgendwie um, was sie in dem fall aber verbilligt :-). na egal, nicht sehr ernsthaft jedenfalls, solche beiträge. genug davon, sowas kommt aber immer....das muss anscheinend sein, als gebetsmühle halt....

Generalsanieren

und einer zivilen Nutzung zuführen. Da ließen sich vielleicht Wohnprojekte umsetzen; jedenfalls könnte man die ganze Liegenschaft sinnvoller verwenden!

als raumplanungsstudent...

...habe ich mich mit genau diesem thema das letzte semester beschäftigt. leider nur im sinne einer lehrveranstaltung - aber selbst wenn das gebiet ernsthaft neu bebaut werden soll, stellt sich vor allem der denkmalschutz einer neugestaltung vollkommen in den weg.

dannnn lern mal mit dem denkmalschutz zu arbeiten!

so ist das leben.

man kann ja probieren, trotzdem mit dem abreissen anzufangen (siehe stadt des kindes) oder zumindest einfach verkaufen und den käufer mal machen lassen (wie in steinhof probiert). wiener leben eben.

waffen zu pflugscharen,

bleibt immer noch aufrecht!!

"Denkmalschutz" bedeutet in Österreich, wenn man diese Bilder sieht, anscheinend eher "Denk mal, da stand ein Denkmal". Dies ist ja nicht das einzige unter "Denkmalschutz" stehende Gebäude, das vollkommen verottet... Besser würde es aussehen, wenn alles zubetoniert werden würde wie der Schwarzenbergplatz, etc.

Europäische Verteidigungs- und sonstige Ausgaben

Hier zum nachlesen:
http://tinyurl.com/dl9obe

Ganz klar: Österreich ist jenes europäische Land, welches am wenigsten für seine Armee und am meisten für populäre Themen wie Bildung und Soziales ausgibt. Sowohl in absoluten %BIP als auch im Verhältnis der einzelnen Budgetposten.

Wer noch meint das Heer hat genug Geld, es muss halt einfach besser wirtschaften, soll bitte diese Studie lesen.

Das einzige Land das weniger Geld für Militär ausgibt (um ein 10el %) ist Luxemburg, die geben aber auch weniger für Soziales aus, sind also ingesamt "ärmer".

Der EU-Schnitt für Heeres-Budgets liegt bei mindestens 1.2% BIP. Wenn unser Heer auch nur die 1% BIP hätte welche von der Reformkomission gefordert waren, hätten die mehr als genug Geld.

Wozu?

Das Bundesheer sollte uns nicht mehr kosten als es uns bringt ....

"Österreich ist jenes europäische Land, welches am wenigsten für seine Armee und am meisten für populäre Themen wie Bildung und Soziales ausgibt. Sowohl in absoluten %BIP als auch im Verhältnis der einzelnen Budgetposten"

Ist das wirklich so. Da kann man ja richtig stolz sein auf Österreich.

P.S.: Auch den Gegensatz zwischen Heer und Bildung sehe ich in Ihrem Posting gute herausgearbeitet...

Blödsinn. WennDu die Marineausgaben wegrechnest sind die Belgier und die Niederländer noch hinter uns !

Also schön am Teppich bleiben.
Die 0,69% des BIP sind bei DIESEM Heer rausgeschmissenes Geld.
Also ersatzlos weg damit .
Wer sich wehren will kann das privat tun, dafür gibt ihm der Staat lediglich ein Uniformteil, daß ihn als Angehörigen der kämpfenden Truppe kenntlich macht.
Die Freudenschüsse, die so ein Verteidiger abfeuert können als Verteidigung interprätiert werden und schon ist dem Völkerrecht und unseren Verpflichtungen Genüge getan.

Tja - an dieser Stelle halt…


"Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast"
Zitat: Churchill, Goebbels oder sonst wer…

Geradezu frappierent in welcher Tradition man Helmut-S immer und immer wieder findet

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