Anwalt hegt Verdacht auf Marktmanipulation

24. Februar 2009, 17:02
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Rechtsvertreter: Börsehandel diente der künstlichen Hochhaltung der Genussscheinkurse

Wien - In der Causa um die angeschlagene Kärntner Beteiligungsgesellschaft AvW ist der Handel mit den AvW-Genussscheinen an der Frankfurter Börse wieder ein Thema für Anlegervertreter. Der Anwalt Lukas Aigner wird demnächst eine Anzeige wegen Verdachts auf Marktmanipulation einbringen, sagte er am Dienstag zur APA. Er vermutet, dass der Handel an der Börse nur verwendet wurde, um den Kurs der Genussscheine künstlich hoch zu halten. Die AvW dementiert.

Aigner ist nicht alleine mit seinem Verdacht. Im Oktober hat die deutsche Finanzaufsicht BaFin eine Prüfung des Handels mit AvW-Genussscheinen auf Insiderhandel eingeleitet. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen, so eine Behörden-Sprecherin heute auf APA-Anfrage.

Für den Anwalt Aigner von der Wiener Kanzlei Kraft & Winternitz müsste der "AvW Index" von seiner wirtschaftlichen Konstruktion her den Nettoinventarwert der darin enthaltenen Assets widerspiegeln, also vom Anstieg der Beteiligungen profitieren. Dass ein Produkt, das wie ein Fonds aufgebaut sei, an der Börse verkauft wird und damit mit einem Kursaufschlag versehen ist, kann sich Aigner schwer vorstellen. Die Vorgänge, die dort zur Kursbildung geführt haben, seien fragwürdig, vermutet der Advokat, der etwa 100 Anleger vertritt. Die Kursaufschläge zum Nettoinventarwert, der sich aus den Bilanzen ergebe, seien "enorm" gewesen. Es dränge sich deshalb der Verdacht auf, dass der Handel an der Frankfurter Börse benutzt wurde, um den Wert in die Höhe zu treiben. Aigner will den Sachverhalt auch der BaFin zur Kenntnis bringen.

Anzeige ist bekannt

Der AvW ist laut Eigenangaben bereits eine kürzlich eingebrachte Anzeige, bei der es um den Verdacht auf Marktmanipulation geht, bekannt. Diese würde gerade rechtlich geprüft, sagte ein Sprecher.

Die AvW habe auf ihrer Website monatlich den an der Börse ermittelten Genussschein-Wert veröffentlicht, so die Kärntner Firma in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Dieser Kurs sei das Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Die AvW habe nie den Börsewert mit dem inneren Wert gleichgesetzt. Die nicht näher genannten Anzeiger seien zum Ergebnis gekommen, dass der innere Wert der Beteiligungen und daher der Genussscheine von AvW im Oktober 2008 zwischen 500 und 1.500 Euro lag. Der Börsenkurs der Papiere lag aber vor dem Bekanntwerden der Probleme deutlich darüber. Bei der Berechnung der Anzeiger wurde jedoch laut AvW vergessen, "auch wirklich alle Beteiligungen der AvW Gruppe AG", etwa die AvW Invest AG, zu berücksichtigen. Die Gruppe hält an der Invest rund 74 Prozent.

Ein Hoffnungsschimmer für einige Genussschein-Inhaber könnte Aigner zufolge in einer Kapitalgarantie liegen: "Alte" Papiere, die bis etwa ins Jahr 2000 begeben wurden, waren mit einer solchen Garantie versehen. In einem der APA vorliegenden Schreiben an Anleger vom 1. Juli 2000 wurde die Kapitalgarantie mit 16.106 Schilling angegeben. "Sie erhalten beim Verkauf Ihrer Anteile in jedem Fall ATS 16.106 pro gekauftem Anteil zurück", heißt es darin. Aigner: "Für mich ist es die logische Konsequenz, dass die Garantie jetzt schlagend wird." Aktuell seien die Genussscheine weniger wert als die garantierte Summe.

Fraglich sei aber, wer zahlen muss. Brisanterweise trägt der von der AvW Invest AG verfasste Anlegerbrief zur Kapitalgarantie auch das Logo der Raiffeisen-Bezirksbank Klagenfurt (RBB), AvW-Hausbank und Depotbank für die Genussscheine. Aigner bestätigte am Dienstag, dass die Anleger bei ihren AvW-Wertpapierdepots bei der RBB nicht verfügungsberechtigt gewesen seien. Zugriff habe nur die AvW Invest gehabt. Aigner habe deswegen am Anfang zunächst keine Auskunft zu den Kunden-Konten bekommen, sagte er.

"Verschwiegenheitspflichten"

In den der APA vorliegenden Korrespondenzen zwischen RBB-Rechtsvertretern und Anlegeranwälten hieß es Anfang Dezember 2008, dass sich die RBB "nun aber eine entsprechende Zustimmungserklärung von AvW beschafft (hat), sodass ihre Verschwiegenheitspflichten, insbesondere das Bankgeheimnis, nun kein Hindernis mehr für die Erteilung der gewünschten Auskünfte darstellt." Eine Woche später hielt ein RBB-Anwalt in einem Schreiben fest, dass die Genussschein-Inhaber "jederzeit Auskunft erlangen und verfügen können" - auch ohne Zustimmung der AvW Invest AG.

RBB und AvW hatten dementiert, dass die Kunden keinen Zugriff hätten. Die Investoren hätten stets die unbeschränkte Verfügung bei den Verrechnungskonten und Wertpapierdepots gehabt, hatte es geheißen. Ein AvW-Sprecher bekräftigte dies heute. Aigner: "Jetzt schicken sie uns sogar die Original-Depotauszüge, ursprünglich hat es nur AvW-Depotauszüge gegeben". Der Rechtsvertreter will nun - vorerst außergerichtlich - klären, was es mit dem RBB-Briefkopf auf sich hat und sich auf die Garantie stützen.

Derzeit sitzen etwa 12.000 Anleger auf ihren Genussscheinen, weil die AvW den Rückkauf aufgrund eines Liquiditätsengpasses eingestellt hat. 22.000 der rund 152.000 Papiere notieren im Freiverkehr der Frankfurter Börse. Das Gros der Scheine wurde über Finanzberater vertrieben. Insgesamt wurden über 400.000 Stück emittiert, die nicht verkauften hält laut früheren Angaben die AvW Gruppe. (APA)

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