Keine Rückendeckung für Rangnick-Erklärung

24. Februar 2009, 15:48
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Liga-Vertreter wiesen Rangnicks Aussage, wonach Trikotwechsel vor Doping-Kontrollen Usus seien, zurück. "Unpünktlichkeit ist ein Dopingverstoß" - WADA könnte Hintertürl öffnen

Hamburg - Vertreter aus der deutschen Fußball-Bundesliga haben die Aussagen von Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick zur Praxis bei Dopingkontrollen zurückgewiesen. "Uns sind die Regeln bekannt und wir achten penibel darauf, dass sie eingehalten werden", sagte Peter Peters, Geschäftsführer des FC Schalke 04, am Dienstag. "Wir halten die Regularien strikt ein", erklärte Sportdirektor Horst Heldt vom VfB Stuttgart.

Er könne "nicht nachvollziehen", was bei dem badischen Konkurrenten nach der Partie in Mönchengladbach (1:1) am 7. Februar passiert sei. "Verzögerungszeiten bei Dopingkontrollen sind bei uns nicht üblich", betonte Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs.

"Der Kampf gegen Doping ist wichtig. Die Bestimmungen sind nun einmal dafür da, um eingehalten zu werden", erklärte Sport-Vorstand Thomas Ernst vom VfL Bochum. Die "Süddeutsche Zeitung" dagegen zitierte am Dienstag einen namentlich nicht genannten Bundesliga-Trainer mit den Worten: "Es hätte jedem von uns passieren können, nun hat es Hoffenheim erwischt." Nach dem Spiel in Mönchengladbach waren der österreichische Nationalspieler Andreas Ibertsberger und sein Teamkollege Christoph Janker zehn Minuten zu spät zur Dopingkontrolle erschienen.

DFB fordert Schwarzes auf Weißes

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat beide Profis und Trainer Rangnick zu schriftlichen Stellungnahmen aufgefordert. Rangnick hatte erklärt, es sei auch bei anderen Clubs üblich, dass sich die Spieler erst in der Kabine umziehen könnten, statt wie vorgeschrieben direkt nach dem Abpfiff zur Dopingkontrolle zu gehen.

Die Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) schreiben vor, dass die Kontrollen unmittelbar nach Spielende stattfinden müssen. Theoretisch kann der Urin in kurzer Zeit durch Medikamente verschleiert oder durch Fremdurin ausgetauscht werden. Ibertsberger und Janker droht eine einjährige Sperre wie den italienischen Profis Daniele Mannini und Davide Possanzini von Napoli. Ende Jänner waren sie vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in einem Schiedsgerichtsverfahren unter Dirk-Reiner Martens verurteilt worden.

Der CAS-Richter sagte am Dienstag in der Tageszeitung "Die Welt": "Wenn ein Athlet nicht gleich zur Dopingkontrolle geht, dann hat er die Möglichkeit zu manipulieren. Dazu braucht man keine zehn Minuten, um so etwas fertig zu bringen." Das Prinzip der Dopingkontrollen könne man nicht infrage stellen, sagte er. "Das wäre ungeheuerlich." Man unterstelle den Spielern nicht, dass sie gedopt haben, so Martens, "wer jedoch nicht pünktlich erscheint, begeht einen Dopingverstoß.

Hintertürl

"Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) lässt aber offenbar ein Hintertürl offen und macht den Betroffenen Hoffnung. Am 1. Jänner 2009 trat eine neue Fassung des WADA-Codes in Kraft, wonach eine Sperre gegen einen Sportler unter gewissen Umständen von normalerweise zwei Jahren auf Null gekürzt wird.

Entscheidend, so berichtete am Dienstag das deutsche Fußball-Magazin "kicker" in seiner Online-Ausgabe, sei der Artikel 10.5: Hier unterscheidet der Code zwischen "keinem Verschulden" und "keinem signifikanten Verschulden" eines Sportlers. Alles hängt damit davon ab, ob der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der sich dem Druck der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) ausgesetzt sieht, im Sportgerichtsverfahren eigenes Verschulden der Spieler nachweisen kann oder nicht.

Wilhelm Schänzer, Professor und Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln, forder eine genaue Untersuchung des Einzelfalles. "Die WADA hat den Passus geändert, weil offenbar nicht in jedem Fall zwangsläufig Sperren notwendig sind", sagte der Experte.

Der Frankfurter Rechtsanwalt Nicolas Roessler fügte hinzu: "Sollten die Spieler beweisen können, dass sie nicht wussten, dass sie unmittelbar nach Spielschluss zur Doping-Kontrolle müssen, könnte man zu dem theoretischen Ergebnis kommen, keine Strafe zu verhängen." Die Betonung liegt auf theoretisch, denn der Advokat bezweifelt dies und verweist darauf, dass "Doping-Sanktionen auch abschreckende Wirkung zukommen soll".

NADA-Chef Baumert: "Ein Dopingfall, ganz klar!"

Der deutsche NADA-Chef Armin Baumert sieht die Sachlage hingegen klar. Weil der DFB sich dem Code der WADA und NADA unterworfen habe, sei es "egal, ob die Lücke eine oder zehn Minuten groß ist - das hier ist ein Dopingfall, ganz klar! Da kann es null Toleranz geben, das unangemessene Verhalten der Spieler ist zu sanktionieren, denn sie haben die Regel gebrochen". Außerdem müssten, so Baumert, auch Fußballer lernen, "dass sie wie Basketballer und alle anderen klare Regeln einzuhalten haben". (APA/dpa)

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    Hoffenheim-Trainer Rangnick bekommt keine Unterstützung der Liga-Konkurrenz im strittigen Doping-Fall.

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