Intel und VMware wollen gemeinsam den Desktop verändern

24. Februar 2009, 15:25
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Zusammenarbeit für die "Client Virtualization Plattform" angekündigt - Klassische Nachteile der Virtualisierung sollen der Vergangenheit angehören

Mit der Keynote von Firmenchef Paul Maritz wurde am Dienstag vormittag die VMworld Europe in Cannes eingeläutet. Mit richtig großen Neuerungen konnte Maritz dabei allerdings kaum aufwarten, die überwiegende Zeit nahm die Wiederholung jener Marschrichtung ein, die man bereits vergangenen September in Las Vegas ausgegeben hatte.

Bestandteile

Diese wird durch drei Initiativen gekennzeichnet: Da wäre einmal vSphere, VMwares Bestrebungen eine Art Betriebssystem für das ganze Rechenzentrum zu etablieren und so den KundInnen ein zentrales Management für alle Aufgaben - von der Lastenverteilung bis zur Storage-Verwaltung - an die Hand zu geben.

Cloud

Der logische nächste Schritt nennt sich vCloud, VMwares Ambition im Bereich Cloud Computing. Über standardisierte Schnittstellen sollen unterschiedliche Clouds miteinander kommunizieren können, das Auslagern von einzelnen Task von einer firmeninternen auf eine externe "Cloud" soll den Vorstellungen des Unternehmens nach künftig problemlos möglich sein.

Bei den bisher schon verfügbaren Cloud-Computing-Anwendungen sieht Maritz das Problem, dass diese vollkommen proprietär gehalten sind, der Austausch zwischen unterschiedlichen Services verschiedener Hersteller somit nicht ohne weiteres möglich ist. Etwas das schlussendlich auch den Wettbewerb gefährdet, wie der VMware-Chef bei einer der Keynote folgenden Pressekonferenz herausstreicht.

Klarheit

Um dies zu verhindern, will VMware hier Klarheit schaffen: Das vCloud API soll als offener Standard eingereicht werden, hinter den Kulissen arbeitet man bereits mit einigen im Cloud-Computing tätigen Unternehmen an entsprechenden Implementationen. Ein zentrales Einsatzgebiet für entsprechende Lösungen sieht Maritz unter anderem im Bereich Disaster Recovery, dieser könnte dann von externen Firmen als Service angeboten werden. Auch Entwicklung-Testläufe ließen sich so leicht auslagern.

Bei all der Begeisterung für das Potential von vCloud ist sich der VMware-Chef aber durchaus bewusst, dass sich hier zum Teil ganz neue Problematiken stellen. So ist es für manche Unternehmen aufgrund von regulatorischen Vorschriften nicht so ohne weiteres möglich die Datenverarbeitung in andere Länder auszulagern. Auch die klassischen Lizenzmodelle müsste man noch weiter überprüfen, immerhin sind diese derzeit meist an die Zahl der verwendeten CPUs/Kerne gebunden. Bei einer Cloud passt sich das System typischerweise aber automatisch den Bedürfnissen an - ein fixe Zahl von benutzten CPUs ist so gar nicht direkt auszumachen.

Desktop

Als dritten Kernbereich hat man die Eroberung des Desktops für den Virtualisierungsbereich ausgemacht. Und in diesem Bereich hatte man dann doch noch eine richtige Neuankündigung parat: In Zusammenarbeit mit Intel soll die "Client Virtualization Plattform" (CVP) entstehen, ein Bare-Metal-Hypervisor, der die vPro-Technologie des Prozessorherstellers nutzt, um Desktop-Virtualisierung "ohne die klassischen Nachteile einer solchen Lösung" zu bieten - so zumindest das Versprechen.

Entsprechend sollen die  BenutzerInnen den Betrieb in einer virtualisierten Umgebung zunächst mal kaum wahrnehmen, dies bedeutet auch das man typische Probleme - wie die deutlich schlechtere Grafikperformance - ausräumen will, in dem man die lokalen Hardware-Ressourcen voll nutzt. Umgekehrt soll die CVP aber einige zentrale Vorteile bieten, etwa den automatischen Abgleich der Daten mit einem zentralen Server. So soll die konkret von den BenutzerInnen verwendet Hardware in den Hintergrund treten, ob Privat- oder Firmenrechner, Laptop oder Desktop, überall wäre dann eine idente Umgebung vorzufinden, so die VMware-Vision.

Defekt

Doch die Synchronisierung hat noch einen anderen wichtigen Vorteil: Ist beispielsweise ein Laptop defekt, gehen so im schlimmsten Fall die Daten seit dem letzten - automatisch durchgeführten - Abgleich verloren. Auf einem neuen Gerät präsentiert sich die eigene Umgebung dann wieder wie gewohnt.

Bei der technischen Umsetzung verlässt man sich auf die eigene Snapshot-Technologie: Geht ein Rechner offline werden alle ab diesem Zeitpunkt getätigten lokalen Änderungen in eine eigene Filedisk  ausgelagert, ist wieder eine - ausreichende - Internetanbindung vorhanden, so wird dieser Stand online abgeglichen. Einigen Aufwand hat VMware dabei nach eigenem Bekunden in den Versuch gesteckt, das Datenvolumen minimal zu halten. So sollen etwa eine Fülle von rechnerspezifischen temporären Dateien vom Abgleich ausgenommen werden.

Kritik

Keine klaren Antworten konnte man allerdings auf einige kritische Frage zu VCP geben. So ist etwa unklar, wem eine solche Arbeitsumgebung - und die darauf enthaltenen Daten - dann überhaupt gehört. Auch die praktisch unbeschränkten Überwachungsmöglichkeiten, die eine solche Entwicklung Arbeitgebern und Behörden an die Hand gibt, wird wohl nicht überall auf ungeteilte Begeisterung stoßen. (Andreas Proschofsky aus Cannes, derStandard.at, 24.02.2009)

  • Der Schein trügt: Nur während der großen Sessions sind die Gänge bei VMworld Europe verwaist. Insgesamt nehmen heuer laut Veranstalter 4.700 Personen an der Konferenz teil, ein in Zeiten der Finanzkrise überraschendes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damals waren es noch rund 200 Personen weniger gewesen.
    foto: andreas proschofsky

    Der Schein trügt: Nur während der großen Sessions sind die Gänge bei VMworld Europe verwaist. Insgesamt nehmen heuer laut Veranstalter 4.700 Personen an der Konferenz teil, ein in Zeiten der Finanzkrise überraschendes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damals waren es noch rund 200 Personen weniger gewesen.

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