Abdrücken

Christoph Winder, 24. Februar 2009, 14:21

Widerwilliges Geldausgeben

Die Redaktion der Zeitschrift "Journalist" macht mich in einem Mail auf die Inhalte ihrer nächsten Ausgabe aufmerksam. Zu lesen geben wird es da etwa eine Story zum Thema: "Wie Werner Faymann bei W.C. Mucha 75.000 Euro (1 Million Schilling!) Anzeigen abgedrückt hat und nun dafür eine parlamentarische Anfrage kassiert - unter anderem wegen Korruptionsverdacht."

In diesem Satz fasziniert den Wörterbuchmenschen natürlich sogleich der Ausdruck "abdrücken", der hier als saloppe Alternative zu "bezahlen" oder "ausgeben" verwendet wird. Stilistisch bewegt sich "abdrücken" etwa auf demselben Niveau wie "wachsen lassen", sodass der "Journalist" auch schreiben hätte können: "Wie Werner Faymann für Anzeigen bei W.C. Mucha 75.000 Euro (1 Million Schilling!) wachsen ließ."

Weitere dem Internet entnommene Beispiele für "abdrücken" mit Geld (Euro etc.) als zugehörigem Akkusativobjekt: "BigBrother 5 Gewinner soll 500.000 Euro ans Finanzamt abdrücken". "Was habe ich davon wenn ich dir nen Euro abdrücke?" "Persönlich fände ich es auch besser, dass ,die Reichen‘ mal mehr abdrücken, vor allem, wenn es so Leute wie Ackerman etc. sind." "David Hasselhoff muss (für seine Ex-Frau Pamela Anm.) 25.000 Dollar im Monat abdrücken." "Als mir letztes Jahr die Weisheitszähne gezogen wurden, musste ich nicht nur 10 Euro an den Zahnarzt abdrücken, sondern auch den Anästhesisten mit 10 Euro beglücken." Die letzten beiden Beispiele lassen sich auch als möglicher Nachweis dafür heranziehen, dass "abdrücken", mit Geld verbunden, oft auch eine Note des Widerwillens beim Ausgeben mittransportiert: Das Geld, das man ans Finanzamt zahlt, wird man also in den meisten Fällen "abdrücken".

Die p.t. Leser bitte ich aber um weitere Assoziationen, die sie zum schönen Verbum "abdrücken" möglicherweise in petto haben.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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22 Postings

ich kenn abdrücken hauptsächlich als flatulenzen!

platzt es manchmal aus ihnen heraus

Schaffnerzubehör

Geld abdrücken hat bei mir ganz spontane Assoziationen hervorgerufen ... die Schaffnertasche mit Galoppwechsler wo das Wechselgeld dann (dank mechanischer Hilfe) im wahrsten Sinne des Wortes abgedrückt wurde.

unter "abdrücken" stell ich mir irgendwie was ferkeliges vor ...

Wir haben es alle geahnt.

...aber nicht wahrhaben wollen.

Trotz Schwanung dieses irgend Ferkeligen.

...fand keine Gneissung statt.

war's wegen verdumpfung der wohl zu leisen ahnung?

Eindeutig nicht geeignet

ist diese Formulierung für Banküberfälle.

Man stelle sich vor:
Bankräuber:"Abdrücken oder ich schieße!"
Bankangestellter: "W...Wie meinen Sie das?"

aber für Erpressungsversuche

der weniger seriösen Presse: "Was wollen's denn abdrücken, damit wir das nicht abdrucken?"

müsste es nicht heißen:
"abdrücken! sonst tu ich es!"

Immer schön bittedanke sagen.

"dann zahl ich halt was ein!"

Keine Provisorien ohne Abdrücken

(Dentistenweisheit)

Ohne Abdrücken

... die Daseinsberechtigung absprechen zu wollen, so muss doch darauf hingewiesen werden, dass die Dentisten mit der Grammatik schon aus reiner Tradition auf Kriegsfuß stehen.

Vielleicht bin ich ja popofixiert

aber bei diesem Abdrücken muss ich unweigerlich an das Denken, was meine Omama nobel als "die große Seite" bezeichnet hat.

Geht mir genauso. Ist ein grausiger Ausdruck. Aber "berappen" klingt halt so altbacken (was wiederum selbst altmodisch klingt).

Ich find außerdem, es erinnert mehr an Repressalien des Verkäufers als an pekuniäre Schmerzen des Käufers.

Die pekuniären Schmerzen des Käufers

"Brennen wie ein Luster."

Phrase aus der Kerzen-Kronleuchterzeit!

Pecken.

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