Gnädiger Kronprinz, einsichtiger Wurm

24. Februar 2009, 13:37
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Die Italienerin Follis und der Norweger Hattestad skateten im Sprint zu Gold. Drei Österreicher scheiterten in der Quali geradezu spektakulär

Ist der Kopf den Füßen voraus, kann das fatal enden. Überhaupt auf Langlaufskiern. Also lag der US-Amerikaner Torin Koos am Dienstagvormittag, wenige Meter, nachdem er die Qualifikation des Skatingsprints der kurzlaufenden Langläufer in Angriff genommen hatte, im Schnee. Flott rappelte Koos sich auf, um die 1,6 Kilometer auf nassem Geläuf doch noch einer Erledigung zuzuführen, als 43. verpasste er die Viertelfinale der besten Dreißig recht deutlich.

Weniger deutlich allerdings als die Österreicher, deren Bester, Manuel Hirner, Rang 47 belegte und danach muskuläre Probleme beklagte. "Die kurzen, intensiven Belastungen beim Sprint sind derart hoch, dass man im Ziel kaum noch stehen kann", sagte der 24-jährige Salzburger, der auf den längeren Strecken mehr oder weniger daheim ist. Harald Wurm ist dagegen Spezialist, weshalb den 22-jährigen Tiroler Rang 54 "sehr, sehr" enttäuschte. "Ist ja doch eine WM, das große Saisonziel."

Beinahe gedemütigt

Die Wucht der "Watsche für die Sprintgruppe" (erste Analyse von Cheftrainer Bernd Raupach) erhöhte Martin Stockingers bemerkenswerter 75. Platz unter 135 nach Qualifikation strebenden Läufern. Beinahe wäre er bei seinem Versuch vom flotten Japaner Yuichi Onda überholt worden, die vollkommene Demütigung in jener Phase des spektakulärsten Langlaufbewerbes, in der noch nicht in Sechsergruppen, sondern im 15-Sekunden-Abstand über die Loipe gewieselt wird.

Wortlos und humpelnd verließ der 25-jährige Oberösterreicher die Langlaufanlage in Vesec, die sich erst nach der Qualifikation so richtig zu füllen begann. "Es hat ihm die Muskeln zugemacht", sagte Raupach. Logisch also, dass die Österreicher heute (13, ORF 1) den in klassischer Technik zu laufenden Teamsprint nicht schmücken werden. Wurm ist ein Skater, Stockinger ist am Boden zerstört, und Hirner will sich lieber für Einsätze im Weltcup schonen, als einmal mehr hinterher zu hecheln.

Nicht Ski läuft, Mann läuft

Raupach versuchte noch am Abend aufbauend auf die Athleten zu wirken. Eher nicht allerdings auf Sprinttrainer Viktor Kamotzki aus Weißrussland, dessen Tage im ÖSV gezählt sein sollen. Kamotzki rühmt sich zurecht besonderen Wissens zum Thema Skipräparierung. Und immerhin, das Material hat am Dienstag gepasst bei den geschlagenen Österreichern. "Das war schon in Ordnung. Aber nicht Ski läuft, Mann läuft", sagte der einsichtige Wurm.

Oder eben Frau. Am Nachmittag besonders gut Arianna Follis, die Italien das erste Gold und die insgesamt dritte Langlaufmedaille dieser WM besorgte. Der Sieg der 31-jährigen aus dem Piemont, die die US-Amerikanerin Kikkan Randall und die Finnin Pirjo Muranen abhängte, überraschte nicht. Follis hatte sich in dieser Saison schon die zur Tour de Ski zählenden Sprints in Nove Mesto und Prag genommen. Die Kraft für ihr anstrengendes Geschäft - für den Sieg waren in Qualifikation, Viertelfinale, Halbfinale und Endlauf jeweils 1,3 Kilometer in Volllast zurückzulegen - holt sich Follis besonders gerne bei Skitouren.

Während Norwegens Damen enttäuschten - Marit Björgen, viermal Siegerin des einschlägigen Weltcups, scheiterte im Halbfinale - ging bei den Herren erwartungsgemäß Gold und Silber an den Norges skiforbund. Ola Vigen Hattestad (26), fünffacher Saisonsieger, kam vor Johan Kjölstad (25) an. Der Russe Nikolaj Morilow durfte mit aufs Podest. Daran hatte Norwegens Kronprinz Haakon Magnus gnädig nichts auszusetzen. Freilich hat er - wie die schlussendlich gut 15.000 nichtadeligen Zuseher auch - wegen Nebels recht wenig gesehen von den Jagden. (Sigi Lützow aus Liberec, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 25. Februar 2009)

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    Vierhänder Ola Vigen Hattestad.

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