EU versalzt Bäckern das Handwerk

24. Februar 2009, 13:33
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Angriff auf deutsche Brotkultur: Das traditionelle Gebäck enthält nach den neuen Grenzwerten zu viel Fett, Zucker und Salz

Brüssel  - Ein Monat nach der "Salzstangerl"-Debatte in Österreich gerät die EU mit ihrer Absicht, neue Grenzwerte für den Fett-, Zucker- und Salzgehalt in Lebensmitteln auszuarbeiten, auch in Deutschland unter Beschuss. Die EU-Kommission betonte allerdings am Dienstag, man "verbietet keinerlei Brot. Weder in Deutschland noch irgendwo in der EU". Wichtig sei aber mehr Transparenz für die Konsumenten.

Die Frage, wie hoch der Salzgehalt in einem Brot sein darf und ab welchem Prozentsatz das ungesund sei, wollte man nicht beantworten.

"Gesundheitsschädlich"

Künftig könnten in Deutschland Vollkornbrot und Brezeln unter "gesundheitsschädlich" eingestuft werden, weil sie mehr Salz enthalten, als es das europäische Amt für Lebensmittelsicherheit angemessen hält. Damit wäre die Basis für Warnhinweise beim Brezelverkäuft gelegt, kritisieren die deutschen Bäcker. Derartige Befürchtungen wurde von der Kommission als "total unbegründet" zurückgewiesen.

Vor einem Monat hatte es Medienberichte in Österreich gegeben, wonach seit 19. Jänner die EU verordnen wolle, wieviel Salz in Brot sein darf. Die Kommission hatte damals betont, man habe nicht vor, die Menge von Salz bei der Herstellung Gebäck zu regulieren. Daher sei die in manchen Berichten beschworene Gefährdung des Salzstangerls keinesfalls gegeben.

Es gebe bisher nur ein Diskussionspapier für einen Verordnungsvorschlag zu bestimmten Nährwertprofilen, der noch mit verschiedenen Interessengruppen diskutiert werde. Hersteller müssten sich demnach nur an die Profile zu Salz-, Zucker- und Fettgehalt halten, wenn sie ihre Produkte als gesund bewerben wollen. "Es geht nicht darum, bestimmte Produkte zu ächten, sondern nur darum, irreführende Werbung zu verhindern", sagte ein Expertin der EU-Kommission.

Unabhängig davon gebe es seit Jahren eine Initiative der EU-Kommission, die darauf abziele, dass Bäcker den Salzgehalt in ihren Broten absenkten. In Finnland, Frankreich und Großbritannien habe diese freiwillige Initiative bereits zu Erfolgen geführt, hieß es in der Kommission. Hintergrund seien Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Salz gilt als eine mögliche Ursache für Bluthochdruck, dieser kann zu schweren Gefäßkrankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. (APA)

  • Salzstangerl - künftig mit Warnhinweisen?
    foto: standard/matthias cremer

    Salzstangerl - künftig mit Warnhinweisen?

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