Gräserpollen-Allergie: Heftigkeit der Reaktion aufgeklärt

24. Februar 2009, 13:24
posten

3D-Modell eines Protein-Komplexes auf dem Weg zur möglichen Passiv-Impfung erstellt

Wien/Basel - WissenschafterInnen aus Wien und Basel haben erstmals jenen Protein-Komplex dreidimensional dargestellt, der sich aus dem Gräserpollen-Allergen und dem für die Auslösung von Symptomen verantwortlichen IgE-Antikörpern bildet.

"Jetzt wissen wir aus dem Experiment, warum allergische Reaktionen so heftig sind. Wir wollen das auch für die Entwicklung einer Passiv-Impfung gegen Gräserpollen-Allergien ausnützen", erklärte Rudolf Valenta vom Christian Doppler Labor für Allergieforschung und Koordinator des FWF-geförderten Sonderforschungsbereichs für Allergieforschung der MedUni Wien.

Die Arbeit der ErstautorInnen Sivaraman Padavattan vom Biozentrum in Basel und Sabine Flicker von der Abteilung für Immunpathologie an der Medizinischen Universität in Wien wurde vor wenigen Tagen in der Fachzeitschrift "Journal of Immunology" online publiziert. Die Kernaussage der Studie ist die Aufklärung der dreidimensionalen Struktur des IgE-Lieschgras-Allergen-Komplexes durch Röntgen-Kristallographie mit einer Auflösung von 1,9 Angström. Ein Angström ist in etwa ein Atom-Radius.

Heftige allergische Reaktionen

Valenta über den Hintergrund: "Beim Auftreten von allergischen Symptomen kommt es zur vernetzten Bindung eines Allergens mit körpereigenen IgE-Antikörpern. Das führt zur Freisetzung von Histamin und Entzündungsmediatoren aus den Mastzellen und zu einer starken entzündlichen Reaktion."

Doch bisher wurden diese Abläufe nicht bis ins kleinste Detail verstanden. Der Wissenschaftler: "Allergien sind heftige Immunreaktionen. Bei einer inhalativen Allergie wie dem Heuschnupfen dringt aber nur ein geringer Prozentsatz der ankommenden Allergene durch die Schleimhautbarriere. Und im Blut sind nur sehr geringe Konzentrationen von IgE-Antikörpern, die dann die Reaktion auslösen können."

So finden sich im Serum 1.000 Mal mehr IgG-Antikörper zur Abwehr von Keimen als IgE-Antikörper, die für allergische Reaktionen verantwortlich sind. Valenta: "Mit der Darstellung des Komplexes aus IgE und dem Allergen, das für praktisch alle Gräserpollenallergien wichtig ist, können wir jetzt sagen, warum das so ist. Das Phl p 2-Allergen von Gräsern und das IgE binden extrem stark und an zahlreichen Stellen an einander."

Hat das IgE einmal das Allergen "gefangen", ist die Bindung auch sehr stabil. Der Wissenschafter: "So reicht eine geringe Menge an Allergenen und an IgE für die Verursachung starker Beschwerden aus."

Passiv-Immunisierung für Gräserpollen-Allergiker

In einem nächsten Schritt hat Sabine Flicker einen neuen humanen Antikörper entwickelt, der Allergene abfangen und unschädlich machen kann. Um die Entwicklung einer passiven Immunisierung gegen Gräserpollen-Allergien sind die WissenschaftlerInnen bereits bemüht.

Gräserpollen-AllergikerInnen leiden ja "nur" einige Wochen pro Jahr an den Symptomen; eben dann, wenn "ihr" Gras - es kann auch Roggen oder anderes Getreide sein - blüht. Für diese paar Wochen könnte man Patienten und Patientinnen in Zukunft womöglich diese neu konstruierten Antikörper spritzen, die dann im Körper eindringende Allergene sofort unschädlich machen und für das Immunsystem neutralisieren.

Erst vor kurzem haben Valenta und sein Team bei einer anderen Fragestellung rund um Allergien einen Erfolg verbucht: Ein von den Experten entwickelter Impfstoff zur Immunbehandlung von Birkenpollen-Allergien hat in einer Phase-II-Studie mit AllergikerInnen im Vergleich zu herkömmlichen Produkten zum Teil überlegene Ergebnisse gebracht. Die Behandelten benötigten während der Pollensaison um 50 Prozent weniger antiallergische Medikamente. (APA/red)

Share if you care.