Kooperationsprojekt präsentiert erste Ergebnissen

24. Februar 2009, 12:46
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Zusammenarbeit von Filmgalerie, Filmarchiv und Filmmuseum zur Erhalten des filmischen Erbes

Krems/Wien - Die Österreichische Filmgalerie in Krems sowie das Filmarchiv Austria und das Österreichische Filmmuseum haben im Frühjahr 2008 ein gemeinsames Projekt - "Digitale Filmrestaurierung" - zur Erhaltung und Rettung des filmischen Erbes begonnen. Erste Ergebnisse in Form restaurierter Bilder und Filmausschnitte wurden bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert.

Restaurierung mittels Software

Ziel des Kooperationsprojekts ist es, vom Verfall bedrohtes analoges Filmmaterial aus den Beständen der Partnerorganisationen mittels modernster Technologien wie etwa der Spezialsoftware Diamant 2.4. zu restaurieren und im Rahmen von Vorführungen und DVD-Editionen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als Beispiele vorgestellt wurden ein kolorierter Farbfilm über die Wachau aus den frühen 1920er-Jahren, ein von Berthold Viertel und Karl Freund stammender, bisher als verloren gegoltener Trailer "Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines" (1926) und ein vor hundert Jahren aufgenommenes sogenanntes "Tonbild", auf dem Alexander Girardi das Rauschlied aus Edmund Eyslers Operette "Künstlerblut" singt.

Mythos des Digitalen

Im Zentralarchiv Laxenburg wird das Quellmaterial gescannt, in Krems digital restauriert und zur Sicherung wieder auf analoges 35-Millimeter-Filmformat rückbelichtet. "Der Mythos des Digitalen ist nur ein großer Mythos, vergleichbar mit virtuellem Geld", meinte dazu Alexander Horwath, Direktor des Österreichischen Filmmuseums: Digitale Tools ersetzten nicht die Aufgabe der Erhaltung bestehenden Materials. "Die extreme Auflösungsstärke des analogen Films kann digital gar nicht gespeichert werden", pflichtete Nikolaus Wostry (Zentralfilmarchiv Laxenburg, Filmarchiv Austria) bei, die digitale Restaurierung sei im Grunde nur eine "Retuschiertechnik" zur Beseitigung von Fehlern wie Staub, Bildwackeln oder Helligkeitsschwankungen.

Projektbezogene Kooperation

Angesprochen auf mittelfristige Synergie-Effekte durch Schaffung eines Filmzentrums oder eines gemeinsamen Archivs wehrte Horwath ab. Projektbezogene Zusammenarbeit werde schon immer gepflogen, die Eigenständigkeit der Institutionen solle jedoch beibehalten werden. Dem hatte auch Ernst Kieninger (Geschäftsführer Filmarchiv Austria) nichts hinzuzufügen.

Im Kesselhaus der Österreichischen Filmgalerie Krems werden ausgewählte Filme am 8. Mai öffentlich präsentiert. Ebenfalls noch 2009 soll die Veröffentlichung digital restaurierter Pionierfilme der Firma Saturn - galant-erotische "Minutes" aus dem Wien um 1900 - erfolgen. Für 2010 wird der abendfüllende österreichische Stummfilm "Hoffmanns Erzählungen" vorbereitet, der im Wiener Konzerthaus mit Live-Musik gezeigt werden soll. (APA)

  • Beispiel für einen der restaurierten und digitalisierten analogen Filmstreifen: "Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines" (1926), von Berthold Viertel und Karl Freund.
    foto: filmmuseum

    Beispiel für einen der restaurierten und digitalisierten analogen Filmstreifen: "Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines" (1926), von Berthold Viertel und Karl Freund.

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