Deutsche Stimmung auf Tiefststand

24. Februar 2009, 13:14
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Besonders Industrieunternehmen sehen bei aktueller Lage schwarz - Ende der Talfahrt frühestens im zweiten Halbjahr

München - Nach einer leichten Stabilisierung zu Jahresbeginn ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Februar wieder eingebrochen. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel von 83,0 Punkte auf 82,6 Punkte und damit auf den schlechtesten Wert seit 1982. Vor allem bei der aktuellen Geschäftslage sahen die befragten Unternehmen schwarz, wie das ifo-Institut am Dienstag mitteilte. "Insgesamt deuten die Befragungsergebnisse nicht auf eine konjunkturelle Wende hin", erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Während aus dem Baugewerbe und dem Einzelhandel positive Signale kamen, ist die Stimmung in der Industrie laut ifo-Umfrage besonders schlecht. Der Teilindex zur aktuellen Geschäftslage fiel zum vierten Mal in Folge auf 84,3 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Jänner 2003. Die Erwartungen für die kommenden Monate dagegen verbesserten sich leicht, der entsprechende Teilindex legte um 1,4 Punkte auf 80,9 Punkte zu. "Die Erwartungen sind nach wie vor skeptisch, nur der Pessimismus nimmt ab", erklärte ifo-Experte Klaus Abberger.

Unternehmen auf der Bremse

Das könne den ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigen Indikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft nicht aus dem Tief holen. "Die Unternehmen stehen auf der Bremse und hoffen, dass sie diese etwas lösen können. Aber von Gas geben ist noch nichts zu sehen", sagte Abberger. Die exportabhängigen Industrieunternehmen leiden vor allem unter der geringen Nachfrage aus dem Ausland. Ihre Geschäftslage hat sich verschlechtert, die Zukunft schätzen sie aber etwas weniger negativ ein. Sie rechnen dennoch mit einem weiter schrumpfenden Auslandsgeschäft. In der Industrie sei unverändert mit Stellenabbau zu rechnen, erklärten die Experten.

"Die Industrie können wir alleine nicht stützen. Dazu sind wir zu exportabhängig", sagte Abberger. Erst wenn international Konjunkturprogramme Wirkung zeigten, sei im zweiten Halbjahr eine Stabilisierung möglich. In Osteuropa aber etwa schlage die Krise derzeit erst voll durch. "Woher ein echter Aufschwung kommen soll, sehen wir momentan aber nicht", erklärte der Wirtschaftsforscher.

Das ifo-Institut werde seine zuletzt veröffentlichte Prognose nicht halten können. Bisher gingen die Münchner Forscher für 2009 von einem Minus von 2,2 Prozent aus. "Wir werden sicher nach unten korrigieren", sagte Abberger.

Konjunktur-Maßnahmen

Der deutsche Großhandel bewertete im Februar die aktuelle Lage und die Aussichten schlechter. Dagegen scheinen die Konjunktur-Maßnahmen der Regierung im Baugewerbe und im Einzelhandel bereits Wirkung zu zeigen. In beiden Branchen wurden die derzeitige Lage und die Entwicklung in den kommenden Monaten besser bewertet als im Jänner. "Das Geschäftsklima hat sich aufgeklart", erklärte ifo-Chef Sinn. Zur Verbesserung habe maßgeblich die gute Stimmung im Kraftfahrzeugeinzelhandel beigetragen. "Hier scheint die Abwrackprämie zu wirken", sagte Sinn.

Angesichts der Pläne der Industrieunternehmen für einen Stellenabbau, sehen die Wirtschaftsforscher aber den privaten Konsum als Stütze gefährdet. Mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit wachse auch die Gefahr, dass der Konsum in der zweiten Jahreshälfte nachlasse, sagte ifo-Experte Abberger.  (APA/AP)

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