Armee bezeichnet Waffen­still­stands­angebot als "Witz"

24. Februar 2009, 15:44
2 Postings

Militärs melden Einnahme der letzten größeren Siedlung im Rebellengebiet

Colombo - Sri Lankas Streitkräfte haben nach eigenen Angaben die letzte größere Siedlung im Rebellengebiet erobert und damit die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) weiter zurückgedrängt. Wie ein Armeesprecher am Dienstag mitteilte, eroberten Soldaten nach heftigen Gefechten die Stadt Pudukudirippu im Nordosten des Landes.

Damit sind die Rebellen, die einst weite Teile Sri Lankas kontrollierten, in einem nur noch 80 Quadratkilometer großen Landstrich eingekesselt. Für die im Kampfgebiet festsitzenden Zivilisten wird die Lage nach Angaben von Hilfsorganisationen indes immer bedrohlicher.

Die LTTE habe bei den Gefechten um Pudukudirippu schwere Verluste erlitten, erklärte der Armeesprecher. Weiter Angaben machte er nicht. Im wenige Kilometer östlich gelegenen Mullaitivu wurden nach Angaben des Militärs mindestens 13 LTTE-Kämpfer erschossen. Die Rebellen hätten am Dienstag versucht, in die unter Kontrolle der Armee stehende Stadt einzudringen. Die getöteten Angreifern hätten Sprengstoffwesten für Selbstmordanschläge bei sich getragen, hieß es.

Militär will "Terrorismus besiegen"

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Keheliya Rambukwella, bezeichnete einen am Vortag veröffentlichten offenen Brief der LTTE an die internationale Gemeinschaft als "Witz". Die Rebellen hatten darin erklärt, sie seien zu Diskussion und Zusammenarbeit bereit, um einen "sofortigen Waffenstillstand und eine politische Lösung des Konflikts herbeizuführen". Mit diesem "Trick" versuche die LTTE der bevorstehenden militärischen Niederlage zu entgehen, sagte Rambukwela. Solange der "Terrorismus" nicht besiegt sei, werde es keine Waffenruhe geben.

Unterdessen wächst bei Hilfsorganisationen die Sorge um das Schicksal der Zivilbevölkerung. Bis zu 200.000 Menschen seien in dem von den Rebellen kontrollierten Gebiet eingeschlossen, heißt es. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte am Montag eine Waffenruhe, um Zivilpersonen retten und Gespräche über eine politische Lösung aufnehmen zu können.

Nach Angaben Human Rights Watch (HRW) haben die Kämpfe in den vergangenen Monaten rund 2.000 Zivilpersonen das Leben gekostet. Die Menschenrechtsgruppe warf sowohl den Rebellen als auch der Regierung Kriegsverbrechen vor.

Die LTTE kämpft seit gut 25 Jahren für einen eigenen Staat der Tamilen im Norden der Insel Ceylon und hat dort in den vergangenen Jahren de facto die Kontrolle übernommen. Zuletzt mussten die Rebellen jedoch große Verluste im Kampf gegen die Regierungstruppen hinnehmen und weite Gebietsteile räumen. Der Bürgerkrieg hat schon mehr als 70.000 Menschen das Leben gekostet. (APA/dpa/AP)

Share if you care.