"Was ist wohl kränker?"

23. Februar 2009, 20:37
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Selbst Spiele, die Vergewaltigung simulieren, finden im Netz ihre feurigen Verteidiger und auf amazon.com einen Vertreiber

Computerspiele sind für Feministinnen selten eine Freude. Kung Fu Panda oder ähnliches mal ausgenommen: Viele Spiele wollen nicht ohne seltsame Männlichkeitsvorstellungen und Sexismus auskommen, was der Beliebtheit natürlich keinen Abbruch tut. Zuletzt hatte etwa die vor "Bitches" und "Sluts" nur so strotzende Computerspielserie "Grand Theft Auto" einen riesigen Erfolg. Aufregung aufgrund von Rassismus, Sexismus oder (sprachlicher) Gewalt wirken in diesem Genre fast schon deplaziert, vor allem was Letzteres betrifft: Mit einem pazifistisches Ego-Shooter Spiel ist einfach kein Geld zu machen. Die Frage, in welchen Kontext die Spiele eingebetet sind, darf deshalb aber nicht obsolet werden.

Besonders widerwärtig ist das Spiel "RapeLay", das bis vor kurzem über amazon.com erhältlich war. Das Spiel des japanischen Herstellers "Illusion Software" lässt keine "Wünsche" betreffend sexueller Gewalt offen; der Hersteller produziert auch andere als "Sex-Simulationen" oder "3D Hentai" bezeichnete Spiele.
Der Spieler von "RapeLay" wird in die Rolle eines japanischen "Sex Maniacs" aus reicher, einflussreicher Familie versetzt. Die Macher des Spiels gehen davon aus, dass der Spieler Spaß am virtuellen Belästigen, Stalken und Vergewaltigen hat. Auf mobygames.com wird das Spiel so beschrieben: "Nach einem erfolglosen "Belästigungs-Versuch" kommt der Spieler durch die Belästigte in Arrest, wodurch er Rachegedanken bekommt, die sich um Stalking und Vergewaltigung drehen".

Rache für die "erfolglose Belästigung" will der Spieler aber nicht nur an der Frau üben, die ihn in Arrest gebracht hat, sondern auch an deren Mutter und Schwester. Der Spieler kann in einem "freeform mode" ebenso alle möglichen Frauen vergewaltigen und andere zum Zuschauen einladen. Die Verfolgten, mit einer körperlosen Hand ("interaktiv" mit Cursor steuerbar) Begrapschten und schließlich Vergewaltigten sind sehr junge Mädchen im Manga-Design. Sie haben große verängstigte Augen, kurze Röcke und Riesenbrüste. Solche Elemente, die im Einzelnen zu kritisieren es viele nicht wert erachten, werden benutzt, damit sich der Vergewaltiger so gut wie möglich fühlt und klar ist, wer schuld ist: Sie, mit ihren Klamotten und den riesigen Brüsten, per se schon als Opfer inszeniert, das sich "darbietet".

Verkauf auf amazon.com

Die in England durch den Politiker Keith Vaz (Labour Party) laut gewordene Empörung über "RapeLay" bezog sich unter anderem auf den Verkauf bei Amazon, wo für die Beschreibung des Spiels diese Worte gefunden wurden: "Rapelay is an offshoot of the Illusion series, Interact Play. You, like in previous installments, play as a public nuisance that gets away from captivity and starts scouting for new targets. This time around you find a family of a single mother and her two daughters. You quickly begin your hunt and capture each woman one by one. The gameplay involves an amusing training/disposition system with which to break each respective target to your liking."

Angebot besteht nach wie vor

Das Angebot von "RapeLay" verschwand schließlich von Amazon. Doch das heißt nicht, dass ähnliche Spiele in dem Online-Kaufhaus nicht mehr zu bekommen sind. Wenn die Empörung nur auf die Belästigung des europäischen Marktes durch Spiele wie "RapeLay" bezogen war, (laut "Illusion" sind die Spiele nur für den japanischen Markt vorgesehen), war sie wohl umsonst: Auf Amazon nach wie vor erhältlich ist etwa "Perverted Thomas". Auf dem Cover des Spiels ist ein an eine Glasscheibe gedrücktes Mädchen mit gequältem Gesichtsausdruck zu sehen. Von hinten fassen ihr Hände zwischen die Beine und an die Brust. Es bleibt also völlig undurchsichtig, bei welchen Spielen für Amazon die Grenzen liegen.

Regulierungen über den Verkauf erscheinen angesichts einiger Kommentare im Netz zu dem Spiel aber ohnehin sinnlos. So ist zwar die Feststellung "Rape doesn't turn me on" zu lesen, zu dieser gesellt sich aber auch die Meinung, dass man doch bitteschön zwischen Phantasie und Realität unterscheiden möge, "you press a button and it happens. How the hell does this work in real life?". Und überhaupt: Was ist mit diversen Shooting Games, da wimmle es nur so von geistloser Gewalt, Zerstörung und Blut, was ist da wohl kränker? so die verquere Logik eines Reviewers. Dass selbst bei Spielen, die Vergewaltigung und psychischen Terror simulieren, noch auf einen Deutungsspielraum bestanden wird, ist mindestens so unfassbar und unbegreiflich wie das Spiel selbst oder der Vertrieb auf amazon.com. (beaha, dieStandard.at, 23.2.2009)

  • Es müsse doch bitteschön zwischen Phantasie und Realität unterschieden werden, so eine Kommentar im Netz zu dem Spiel "RapeLay".
    mobygames.com

    Es müsse doch bitteschön zwischen Phantasie und Realität unterschieden werden, so eine Kommentar im Netz zu dem Spiel "RapeLay".

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