Neue Daten gegen Menschenhandel

23. Februar 2009, 19:06
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Einheitliche Richtlinien sollen das Datensammeln im Bereich Menschenhandel erleichtern - Österreich war bei der Entwicklung federführend - Kooperation auf EU-Ebene hat schon zu dutzenden Festnahmen geführt

Manche Verbrechen sind leicht zu erkennen. Bei einem Mord gibt es fast immer eine Leiche, bei einem Diebstahl fehlt etwas. Was Statistiken darüber einfach macht. Ganz anders beim Menschenhandel. Dessen Opfer sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen, zur Polizei schaffen sie es nur selten.

Von einigen hunderttausend bis zu mehreren Millionen Opfern reichen die teils sehr nebulösen Schätzungen. Die International Organisation for Migration geht von weltweit 800.000 gehandelten Menschen jährlich aus, in Wien würden rund 4000 gehandelte Menschen wohnen, schätzt die OSZE.

Die unklare Datenlage ist aber nicht alleine ein statistisches Problem, sondern auch eines für die Strafverfolgung. Seit November 2007 tüftelten Kriminalisten und Datenschützer unter österreichischer Ägide an einheitlichen Richtlinien für die statistische Erfassung. Am Montag wurden sie in Wien präsentiert.

Österreich unter den Ersten

Zunächst werden Österreich, Tschechien, die Slowakei und Ungarn die neuen Richtlinien umsetzen. Viel ausführlicher als bisher soll so zum Beispiel der Weg eines Opfers rekonstruiert werden können. Auch mehrfach gehandelte Personen sollten einfacher identifiziert werden können.

Helfen soll dabei auch die europäische Polizeibehörde Europol. Dort sollen die Daten der Staaten zusammenfließen und analysiert werden, um Täter aufspüren zu können. Bereits jetzt hilft die Organisation bei länderübergreifenden Projekten wie dem "Cospol Menschenhandel" - an dem Österreich führend beteiligt ist.

"Wir haben mit unserem Partner Rumänien gute Erfolge verzeichnen können", sagt Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt zum STANDARD. "Insgesamt konnten 38 Menschen in Norwegen, den Niederlanden, Deutschland und Österreich festgenommen werden", berichtet er. In mehreren kleinen und mittleren Operationen konnten Daten gesammelt und ausgewertet werden, um Strukturen zerschlagen zu können.

Kaum Anzeigen

Zahlen alleine würden aber nicht immer die Tragweite des Problem Menschenhandels spiegeln. "Bei diesem Delikt gibt es ja kaum Anzeigen, es hängt davon ab, wie intensiv die Polizei ermitteln kann", sagt Zwettler. Aus diesem Grund könne es von Jahr zu Jahr zu deutlichen Schwankungen bei den Verurteilungen kommen.

Polizeiintern könnten demnächst auch die Kräfte zur Bekämpfung der mit dem Menschenhandel eng verbundenen Schlepperei neu organisiert werden, sagen Gerüchte aus dem Innenministerium. Demnach könnte nach einer Personalrochade die derzeit noch existierende eigene Abteilung für Schlepperei bald in einer anderen aufgehen. (Michael Möseneder/DER STANDARD - Printausgabe, 24.2.2009)

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    Prostitution zählt zu den Hauptmärkten für Menschenhändler. Mit besseren Polizeidaten sollen mehr Täter dingfest gemacht werden.

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