"Alle extrem ang'fressen" auf den ORF-Chef

23. Februar 2009, 19:01
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Verlust 2008 mit 79,8 Millionen Euro unter Befürchtungen - Schlägt Wrabetz neue Direktoren vor? "Aus heutiger Sicht nicht"

21 Minuten ließ der ORF-Chef seinen Finanzausschuss warten. Bürgerliche Stiftungsräte überlegten abzurauschen. Roten Räten stand es "bis daher", Hand in Stirnhöhe: "Alle extrem ang‘fressen".

Alexander Wrabetz zog ein "ZiB"-Interview über seine Bilanzzahlen vor. Statt 100 Millionen Miese (vorläufig) 79,8 Millionen Euro negatives Ergebnis im ORF-Konzern. Das Finanzergebnis zum Beispiel fiel von geplanten 40,3 Millionen nicht auf 1,4, sondern 15,8 Millionen.

Wrabetz verwies im Finanzausschuss auf 9,6 Millionen weniger Sachaufwand als budgetiert (nun 600); beim operativen Personalaufwand 5,6 Millionen weniger, nun 373 Millionen Euro.
Der ORF (ohne Töchter) setzte 886 Millionen um (2007: 918). Aus Gebühren 504 Millionen, 31,3 mehr als 2007. Werbung brachte 263, im TV brach sie 37,1 Millionen auf 183 ein.
"Wenn ich meinen Aufsichtsrat nur drei Minuten warten lasse", grollte Stiftungsrat Christian Domany (ÖVP). Er verlässt den Flughafenvorstand ohnehin. Richtung kaufmännische ORF-Direktion? Domany verneint. Wie vor einigen Jahren als Flughafenaufsichtsrat die Frage, ob er dort Vorstand wird.

Platz für neue Direktoren

Platz für neue Direktoren wird wohl bald. Fraktionskollege Heinz Fiedler rechnet, dass keiner der ORF-Manager seinen Job behält. Ein roter Rat auf die Frage, ob Wrabetz in einem Jahr noch Generaldirektor ist: "Wovon?"

Was sagt Werner Faymanns Zentralorgan, die "Krone"? Kolumnist Claus Pandi, privat mit dem Büro Faymann verbunden, schrieb Faymanns Wunschkandidat Karl Amon ein "fast abgeschlossenes" Konzept für den "Totalumbau" des ORF nach. Fiedler vermutet: ein Konzept für die TV-Information, nicht für den ORF. Sie überzog 2008 ihr Budget. Sie soll in einer neuen ORF-Struktur an neuem Standort mit der von Radio und Online zusammenziehen. Daran arbeite Amon "fleißig", sagt Wrabetz. Ihm habe der TV-Chefredakteur versichert, er konzipiere "darüber hinaus nichts".

In derselben Kolumne sinniert Pandi über Raiffeisens "Total-Übernahme" von ORF 1 und Ö3. Raiffeisenchef Christian Konrad in "Rau-TV": "Da haben wir keine Ambitionen."

Versucht Wrabetz, seinen Job zu retten, indem er dem Stiftungsrat am 2. April neue Direktoren vorschlägt, etwa Amon? "Habe ich aus heutiger Sicht nicht vor." Er erklärt aber ungefragt, er hat sich schon erkundigt, wie lange vorher er ausschreiben muss: 14 Tage. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 24.2.2009) 

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    Wohin mit dem ORF? General Wrabetz (li.) und Stiftungsratschef Klaus Pekarek suchen Strategie. Beider ORF-Job ist unsicher.

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