Salzachkraftwerk im Stadtgebiet genehmigt

23. Februar 2009, 18:14
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Salzburg AG errichtet Staustufe um 80 Millionen Euro – Naherholungsgebiet geplant

Salzburg - "Das ist ein Projekt, auf das ich besonders stolz bin. Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass ein Kraftwerk mitten in einer Stadt wie Salzburg gebaut wird." Salzburgs grüner Planungsstadtrat Johann Padutsch ist hörbar zufrieden mit den Plänen des Energieversorgers Salzburg AG, zwischen den Stadtteilen Lehen und Itzling ein Flusskraftwerk zu bauen. Weiter flussaufwärts, bei Stegenwald im Pongau, lehnen die Grünen ein geplantes Kraftwerk, wie berichtet, vehement ab.

Doch das Kraftwerk in der Stadt - es soll unterhalb der bestehenden Sohlstufe entstehen - werde die Gewässerökologie der Salzach sogar verbessern, sagt Padutsch. Die Sohlstufe, deren Sinn es ist, den regulierten Fluss zu verlangsamen, ist ein unüberwindliches Hindernis für Fische. Eine EU-Richtlinie verlangt bis 2015 den Einbau einer Fischtreppe - sie allein würde zehn Millionen Euro kosten. Das Kraftwerk werde außerdem die Eintiefung der Salzach stoppen und die Ufer stabilisieren, die bei weiteren großen Hochwassern einsturzgefährdet seien.

Quasi als Nebeneffekt soll das Kraftwerk - geschätzte Kosten: 80 Millionen Euro - auch noch 81 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr liefern, das entspricht dem Bedarf von 23.000 Haushalten. Ein geplanter Umgehungsbach quer durch das Waldstück am Glanspitz soll einen neuen Naherholungsraum mit Spiel-, Liege- und Picknickwiesen erschließen. Jetzt liege ein positiver wasserrechtlicher Bescheid vor, berichtete Salzburg-AG-Vorstandssprecher Arno Gasteiger am Freitag. Bis Mitte März läuft die Berufungsfrist, "im besten Fall könnten wir im Herbst 2009 mit dem Bau beginnen", sagt er. Das Kraftwerk könnte dann im Sommer 2012 in Betrieb gehen.

Anrainer wollen berufen

Doch man rechnet mit Berufungen von Anrainern: Es gebe nach wie vor "einige Hardliner", obwohl das "eine oder andere Missverständnis" ausgeräumt werden konnte, sagt Padutsch. Der ehemalige Anrainervertreter Edi Leader geht im Gespräch mit dem STANDARD davon aus, dass eine Berufung geplant sei. Viele der Betroffenen hätten aber den Widerstand gegen das Kraftwerk aufgegeben - wegen mangelnder Erfolgsaussichten.

Die Anrainer hatten vor allem kritisiert, dass es keine Umweltverträglichkeitsprüfung gab: Das Projekt der Salzburg AG bleibt knapp unter der vorgesehenen Leistungsgrenze dafür. Sie hatten auch Bedenken beim Hochwasserschutz geäußert und fürchten Lärmbelästigung.
Ein Modellversuch der Technischen Uni Wien - die Salzach samt Kraftwerk wurde dort im Maßstab 1:33 nachgebaut - stellt dem Projekt auch bei hundertjährigen Hochwässern ein gutes Zeugnis aus. In puncto Lärm beruhigt Padutsch: Im Gegensatz zur Sohlstufe mit permanentem Rauschen werde beim neuen Kraftwerk nur an etwa 70 Tagen im Jahr damit zu rechnen sein. Der Baustellenverkehr soll so weit wie möglich über das unbebaute linke Ufer laufen, heißt es von der Salzburg AG. (Markus Peherstofer/DER STANDARD - Printausgabe, 24.2.2009)

 

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