Ein Filmstar, der es keinem leicht macht

23. Februar 2009, 18:13
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"Ich weiß, wie sehr ich selbst es allen erschwere, mich zu schätzen"

Ein Filmstar zu sein kann dem Schauspiel im Wege stehen, das gilt nicht für Sean. Sean Penn, der Schauspieler, verliert sich in jeder Rolle." Dafür, so Laudator Robert de Niro, könne man dann unterschiedlichste Männer entdecken - wie etwa den 1978 ermordeten schwulen US-Politiker Harvey Milk, den Penn in Gus van Sants "Milk" spielt. Seit Sonntagnacht auch oscarprämiert.
Sean Justin Penn wurde am 17. August 1960 in Burbank, Kalifornien, als zweiter Sohn des TV-Regisseurs Leo Penn und der Schauspielerin Eileen Ryan geboren. Nach Engagements am Broadway machte er 1982 mit seiner zweiten Kinorolle in Amy Heckerlings Highschool-Komödie "Ich glaub', ich steh' im Wald" Furore.

Penn gehörte nicht zum Kern des berüchtigten "Brat Pack" - mit Charlie Sheen, Emilio Estevez und Rob Lowe war er zwar zur Schule gegangen, aber er scheint sich mehr an jener Generation orientiert zu haben, die knapp 15 Jahre zuvor das neue, ästhetisch und politisch herausfordernde Hollywood ausgerufen hatte. Dennis Hopper engagierte ihn denn auch 1988 für "Colors", um den aufsässigen Rookie im Gangland L. A. zu verkörpern. Jack Nicholson dagegen stand vor der Kamera bei "Crossing Guard" (1995) und bei "The Pledge" (2001), Penns zweiter und dritter Regiearbeit; seine bis dato letzte war "Into the Wild" (2007).

Für dieses Aussteigerdrama erntete Penn bei Kritikern und der Academy gleichermaßen Anerkennung. Als Schauspieler war er seit "Dead Man Walking" (1995) insgesamt fünfmal oscarnominiert. Erhalten hat er den Preis dann zuerst 2004 für die Hauptrolle in Clint Eastwoods "Mystic River". Schon allein an der Diskrepanz zwischen den Eastwood-Männern, die ihr Inneres in einem betont virilen Panzer abkapseln, und der Figur des offen und offenherzig agierenden Milk - also an der glaubwürdigen Verkörperung beider lässt sich die Qualität von Penns Arbeit ermessen.

"Ich weiß, wie sehr ich selbst es allen erschwere, mich zu schätzen", scherzte dieser Sonntagabend. Nicht nur wegen Privatturbulenzen - der Kurzzeitehe mit Madonna (1985-89) - oder tätlicher Auseinandersetzungen. Auch sein politischer Einsatz gegen den Irakkrieg polarisierte. Auf der Bühne des Kodak Theatre nutzte der Vater zweier Teenager - mit seiner Exfrau Robin Wright Penn - die Gelegenheit, sich vor dem globalen TV-Publikum energisch für die Gleichstellung Homosexueller auszusprechen - und seinen größten Oscar-Konkurrenten zu ehren: "Mickey Rourke rises again. And he's my brother!" (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 24.02.2009)

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    Oscar für einen vielseitigen Kinoaktivisten: Sean Penn (48).

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