Auf Bierboom folgt ein Durstjahr für Brauereien

23. Februar 2009, 18:09
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Die Österreicher trinken erstmals mehr Bier als die Deutschen. Heuer ist für Brauer aber Schluss mit lustig. Die Gastronomie lässt aus

Die Österreicher trinken erstmals mehr Bier als die Deutschen. Heuer ist für Brauer aber Schluss mit lustig. Die Gastronomie lässt aus. Die Erträge stehen unter Druck. Viele Bierpreise sind mit dem Jahreswechsel gestiegen.

Wien – Österreich schaut tiefer ins Bierglas. Während große Biernationen in Europa herbe Markteinbrüche verdauen müssen, zog der Konsum in Österreich um zwei Prozent auf 8,6 Mio. Hektoliter an. Die Hälfte dieses Zuwachses entspringt der Fußball-EM. Was den Brauereiverband besonders froh stimmt: Österreich hat Deutschland erstmals abgehängt – und hält beim Pro-Kopf-Verbrauch an Bier nunmehr international den zweiten Platz hinter Tschechien. Freilich, der Abstand bleibt respektabel: 109 Liter trinkt ein Österreich pro Jahr im Schnitt, 160 sind es in Tschechien. Den Teller reichen könne man seinen östlichen Nachbarn erst, wenn mehr Frauen Bier zugeneigt wären, sagt Verbandsobmann Markus Liebl.

Von der stattlichen Schaumkrone des Vorjahres wird heuer wohl nichts übrigbleiben.Viele Brauer stellen sich auf ein Durstjahr ein. Die Gastronomen als verlässliche Abnehmer lassen aus. Sie haben schon von der EM kaum profitiert, und der geringere Konsum außer Haus wie neue Rauchergesetze machen ihr Leben nicht einfacher.

Die Erträge der Brauer wiederum stehen durch die höheren Kosten bei Rohstoffen und Energie massiv unter Druck. Gerade kleine Betriebe tun sich schwer, für Gastronomen die geforderten Voraus-Rabatte aufzustellen. Höhere Preise im Lebensmittelhandel lässt der ohnehin sensible Markt nicht mehr zu. Der Großteil der Brauereien hat ihr Bier mit Jahreswechsel um vier bis fünf Prozent verteuert. Weitere ziehen in den nächsten Wochen nach.

Dann sei dieses Thema sicher für längere Zeit vom Tisch, sagt Egger-Geschäftsführer Bernhard Prosser dem Standard. Auch seine Brauerei habe die Preise im Handel eben um 5,5 Prozent erhöht. "Wir haben damit jedoch nur einen Teil unserer Mehrkosten weitergegeben."
Wie österreichweit aufgestellte Brauer bereiten sich auch kleinere Betriebe auf rauere Zeiten vor. Murauer Bier etwa habe im Vorjahr gespart, um das heurige unbeschadet zu durchtauchen und alle Investitionen durch zu ziehen, sagt Unternehmenschef Josef Rieberer. "Wir haben ein erfolgreiches Jahr hinter uns." Heuer stehe der Branche jedoch einiges bevor, so viel sei klar.

Griff zur billigeren Flasche

Die Österreicher legen bei Bier zwar mehr Wert auf Marken als andere Nationen. Aber auch sie griffen zunehmend zu billigeren Flaschen. Und das bei Bier bisher unbedeutende Geschäft mit Handelsmarken gewinne an Boden, heißt es in der Branche. Oetker etwa führt den deutschen Biermarkt mit früheren No-Name-Produkten an und baut Diskontanteile rasant aus.

In Österreich braut Egger unter der Marke Bergkönig für Hofer. Der Anteil an Private Labels im Handel steige, sagt Prosser, 2008 sei Egger um sieben Prozent gewachsen. Gut unterwegs bei Hofer ist dem Vernehmen nach auch Ottakringer.

Liebl sieht die Brauer für die drohende Flaute jedenfalls gerüstet. Auch wenn gespart werden müsse, "die Strukturen sind gut, alle haben ihre Hausaufgaben gemacht." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.02.2009)

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