Der Oscar: Segen und Fluch

23. Februar 2009, 18:05
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Bereits Nominierungen wirken stimulierend

500 Dollar kostet die Produktion einer Oscar-Statuette. Nominierung oder sogar Sieg in einer der wichtigen Kategorien sind meist ein Vielfaches wert.

"Oscars für den besten Film - und manchmal für Schauspieler - können weniger bekannten Filmen mit kleinen Budgets helfen, vor allem, wenn sie noch nicht auf DVD erschienen sind", erklärt Unterhaltungsindustrie-Experte Hal Vogel. Denn dann strömen Filmfans weltweit in die Kinos, um sich selbst ein Bild zu machen. "In den USA kommt der größte Effekt schon von der Nominierung selbst", sagt Vogel. Auf internationalen Märkten laufen Filme hingegen oft erst nach den Oscars an.

Slumdog Millionär (geschätztes Budget: 15 Millionen Dollar) kam Mitte November in die US-Kinos und spielte am ersten Wochenende 360.000 Dollar auf zehn Leinwänden ein. Erst nach der Oscar-Nominierung am 22. Jänner machte er den Sprung von 582 auf 1415 Leinwände. Die Einnahmen verdoppelten sich innerhalb eines Wochenendes - von bis dahin 5,8 Millionen Dollar auf 10,7 Millionen. Mittlerweile hat der Streifen geschätzte 90 Mio. Dollar eingespielt.

Brancheninsider Paul Dergarabedian von Hollywood.com meint, dass Slumdog Millionär heuer als einziger Oscar-nominierter Film derartige Zuwächse verzeichnete: "Der Film wäre nie über 50 Millionen Dollar hinausgeko

Auch auf DVD sollten zusätzliche Millionen erwirtschaftet werden können, sagt jedenfalls Ryan Kugler, der mit seiner Firma DV&A DVD-Bestände von Studios aufkauft: "Oft sehen wir US-Verkaufsanstiege von 25 bis 35 Prozent." No Country for Old Men konnte beispielsweise letztes Jahr erwartete DVD-Verkäufe um mehr als 50 Prozent steigern. 41 Millionen Dollar waren es allein in den ersten zehn Wochen.

Vom Oscar-Fluch betroffen

Doch allen Zuwächsen zum Trotz warnen Experten, dass Oscars nicht automatisch mehr Reingewinn bedeuten. Werbekosten rund um die Nominierung und den Sieg gleichen die Zuwächse oft aus, vor allem bei Filmen, wo der Oscar-Effekt nicht so durchschlagend ist wie bei Slumdog Millionär. Auch für Schauspieler bedeutet der Oscar mitunter eine Bürde. Aufsteiger werden zwar zu Stars und können die damit verbundenen höheren Gagen verlangen. Aber Sieger der letzten Jahre wie Renee Zellweger, Halle Berry und Cuba Gooding Jr. gelten als vom Oscar-Fluch betroffen - zumindest was Einspielergebnisse betrifft. (Georg Szalai aus New York, DER STANDARD/Printausgabe, 24.02.2009)

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