Mustafa und die geschlachteten Schweinderln

23. Februar 2009, 18:08
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Apropos Fasching: Ein Witz bei einer burgenländischen Gildensitzung als Symptom österreichischer Verlotterung

Neudörfl - Es hat - angeblich - eine Zeit gegeben, in der "Witz haben" bedeutete, jemand sei geistreich. Das mag sein. Jetzt aber herrscht allgemeines "lei-lei". Und wenn dieser Kärntner Geist - der dem Rechtsstaat unter Spott und Hohn allmählich den Boden entziehen will oder das schon hat, indem er statt des Rechtsstaates Rechtsempfinden urgiert, statt der Unschuldsvermutung exekutiv behauptete Straffälligkeit, statt der Freiheit der Kunst die Pflicht zur "Pietät" -, wenn so ein Geist sich im Gestrüpp pannonischen Stumpfsinns verfängt, na dann: Prost, Mahlzeit.

Es war vergangene Woche. Die Faschingsgilde im nordburgenländischen Neudörfl lud zu ihrer alljährlichen Sitzung. Unter den Protagonisten zwei Damen, die sich übers Schlachten von Schweinderln unterhalten. Die eine schaut da "ja soo gern zu", was die andere nicht verstehen mag. Sie weiß nämlich noch nicht, dass die eine, die "soo gern" zuschaut, den Schweinderln Namen gegeben hat. "Ach so? Wie heißen sie denn?" - "Na Achmed, Mustafa, Mohammed ..."

Die regionale Burgenländische Volkszeitung (BVZ) hat dieser Unsäglichkeit, die auch aus jedem faschingoiden Rahmen fällt, löblicherweise breiten Raum gewidmet. Der Neudörfler Grünen-Chef hat, nicht minder löblich, "Es ist zum Speiben" gerufen. Und dass die anderen Politiker dazu bislang geschwiegen haben, darf man auch als Positivum verbuchen. Denn man möge sich nur eine mögliche Stellungnahme von FPÖ oder BZÖ vorstellen.

Politikum

Ein Politikum wäre diese - man würde das Wort "Angelegenheit" gerne durch das Wort "Trottelhaftigkeit" ersetzt wissen - ein Politikum wäre diese Angelegenheit ja erst, wenn man sie in Beziehung zum Ganzen setzte. Zur sukzessiven Ungeniertheit islamophober Hirngespinste, die, ausgehend von der sich ein ums andere Mal hinunterschraubenden "Eh-scho-wurscht"-Strategie der Rechtsaußenparteien, mittlerweile das gute Gewissen des Mainstreams erreicht zu haben scheint, wobei das gute Gewissen durchaus unbeeinträchtigt geblieben ist. Kommt es nämlich dazu, dass da und dort dann doch noch Empörung aufflackert, wird die mit dem zwinkernden Augenaufschlag routinierter Provokateure beantwortet, der dem geltenden Recht die eigentliche Stimmungsdemokratie entgegenhält.

Wie schnell solches Gerede sickert, zeigt sehr gut das Neudörfler Beispiel. Von der Burgenländischen Volkszeitung darauf angesprochen, meinte die witzige Dame nämlich folgendes: "Unsere Witze sollen nicht bedeuten, dass wir fremdenfeindlich sind. Die Leute haben sich ja köstlich amüsiert."

"Ja köstlich amüsiert!" Viel köstlicher hätten es Frau Nationalratsabgeordnete Winter et alii auch nicht sagen können. (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD - Printausgabe, 24.2.2009)

 

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