Labour fürchtet Nationalisten

23. Februar 2009, 17:54
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British National Party im Gemeinderat von Kent

Wenige Wochen vor den Gemeinderats- und Europawahlen sorgt der überraschende Sieg der rassistischen British National Party (BNP) bei einer Nachwahl für Nervosität bei den etablierten Parteien. Zum ersten Mal konnten die Rechtsextremen in einen Gemeinderat der wohlhabenden Grafschaft Kent südöstlich von London einziehen. Das "beunruhigende Ergebnis" , so der örtliche Unterhaus-Abgeordnete der Konservativen, alarmiert vor allem die regierende Labour-Party von Premier Gordon Brown: Ein Sieg der BNP im Juni würde "die politische Landkarte Großbritanniens verändern" , warnt der Unterhaus-Abgeordnete Jon Cruddas, ein prominenter Vertreter des linken Parteiflügels.

In seinem heruntergekommenen Arbeiter-Wahlkreis Dagenham östlich von London sammelt Cruddas seit Jahren Erfahrungen mit den Rechtsextremen; im lokalen Parlament haben die BNP-Abgeordneten bereits Fraktionsstatus erhalten. Der Durchbruch südlich der Themse deutet darauf hin, dass die Wirtschaftskrise die bestehenden sozialen und ethnischen Spannungen verstärkt. Bei wilden Streiks in der britischen Energiewirtschaft formierten sich wütende Arbeiter zu Monatsbeginn hinter der Parole "Britische Jobs für britische Arbeiter" - ein Zitat aus Browns Parteitags-Rede.

Die Rassisten-Vereinigung BNP stellt landesweit rund 100 Gemeinderäte, ist aber weder im Unterhaus noch in Landtagen vertreten. Zuletzt machte die BNP durch eine parteiinterne Fehde von sich reden, in deren Verlauf eine Liste von Mitgliedern und Sympathisanten samt Telefon-Nummern, E-mail-Adressen sowie Berufsbezeichnungen im Internet landete. Demnach unterstützen rund 12.000 Briten eine Partei, die nur Weiße aufnimmt, für den EU-Austritt plädiert und die "freiwillige" Repatriierung aller Immigranten befürwortet. Auf der Liste fanden sich auch fünf Ruheständler der anglikanischen Staatskirche.

Auf ihrer jüngsten Synode folgten die Anglikaner deshalb einer Vorgabe von Polizei und Justizdienst und beschlossen die Unvereinbarkeit von geistlichem Amt und BNP-Mitgliedschaft. (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2009)

 

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