Kaum Geld mehr für Luxus

23. Februar 2009, 17:57
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Pleite der italienischen IT Holding wirft auch Schatten auf Versace

Mailand - Wegen Zahlungsunfähigkeit hat Italiens Modeholding IT für ihre Produktionsfirma Ittierre Gläubigerschutz beantragt. Davon ist nicht nur das Imperium von Gianfranco Ferre betroffen. Die IT-Tochterfirma Ittierre produziert auch für andere große Modehäuser wie Versace (VJC-Kollektion) und Roberto Cavalli (Just Cavalli) sogenannte Zweitlinien in Lizenz.
Die Zahlungsunfähigkeit von Ittierre bringt nun den erst seit 2007 wieder schwarze Zahlen schreibenden Luxuskonzern Versace in Schwierigkeiten. Denn IT hat die Zweitlinie des Mailänder Modeimperiums nicht nur produziert sondern auch vertrieben. Nun bleiben die Royalities aus. Zwar konnte Versace im Vorjahr dank der Asien-Expansion den Umsatz noch um acht Prozent auf 366 Millionen Euro erhöhen. Ein Gewinn sei aber für 2008 unwahrscheinlich, sagte Versace CEO Giancarlo Di Risio.

Für 2009 sehen Branchenkenner aber nicht nur die Entwicklung bei Versace gefährdet. Cavalli hat einen Teil seines Imperiums in letzter Minute an die Private Equity Gesellschaft Clessidra verkauft. Mit 1800 Mitarbeitern, einem jährlichen Umsatz von 640 Mio. und Schulden von 300 Mio. Euro wurde die Pleite der IT-Modeholding zum Symbol der jetzigen Luxuskrise. Nahezu alle Nobelboutiquen in Mailand melden seit Jahresbeginn einen Umsatzrückgang bis zu 50 Prozent. Grund dafür ist das Ausbleiben der Käufer aus USA und Russland.

Besucherrückgang befürchtet

"Diese Krise ist schlimmer als die vergangenen" , bestätigte auch Giovanni Burani von der Modegruppe Mariella Burani Fashion Group. Mit seiner Strategie des "erschwinglichen Luxus" und der Diversifikation auf den Accessoiresbereich kommt er noch besser weg als viele anderen.
Morgen, Mittwoch, starten die Prêt-à-porter-Schauen in Mailand. Befürchtungen, dass es zu einem drastischen Besucherrückgang kommt, sind berechtigt. Denn bei den zu Jahresbeginn vorangegangenen Herrenmodeschauen brach die Anzahl der ausländischen Käufer vor allem der Amerikaner, Japaner und Russen, um 40 Prozent ein.

In der Branche befürchtet man für das Schlimmste. Laut dem Präsidenten des Modeverbands Sistema Moda, Michele Tronchoni, sind die Umsätze auch bei zahlreichen Modehäusern um 30 bis 60 Prozent eingebrochen. 7000 Jobs seien in Gefahr. Insgesamt sind 780.000 Menschen in Italiens Modebranche tätig. (Thesy Kness-Bastarolia, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.02.2009)

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    Versace spürt die Krise und versucht die Kurve zu kriegen.

     

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