Das Imperium zieht seine Spur

23. Februar 2009, 18:12
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Die Langläufer sollen Norwegens Medaillendominanz bestätigen - Zank und Hader im deutschen Lager

Und am Ende sind die Norweger vorne. Kaum dass im Gebälk des nordischen Imperiums ein leichtes Knirschen zu vernehmen war, besorgte Langläufer Petter Northug am Sonntag in der Doppelverfolgung dem Norges skiforbund die erste Goldene in Liberec. Mit zweimal Silber und einmal Bronze war aufgewärmt worden. Weitere Medaillen werden folgen, beginnend am Dienstag (13, ORF 1), wenn Damen und Herren zu den Sprints antreten, gewissermaßen im Kurzlaufen. Die Österreicher Harald Wurm, Martin Stockinger und Manuel Hirner werden's nicht verhindern. Katerina Smutna schon gar nicht, sie ist erkrankt und abgereist

Fünfmal en suite haben die Norweger zuletzt bei nordischen Weltmeisterschaften die Medaillenwertung gewonnen. Liberec soll keine Ausnahme sein, sondern eher die Brücke schlagen zu Oslo 2011, wenn die Titelkämpfe zum fünften Mal am und um den Holmenkollen abgefeiert werden.
Im Langlauf ist die Rivalität mit Finnland und Schweden durch die Schwäche der Gegner leicht abgeflaut. Die Finnen lebten in den vergangenen Jahren von den Skispringern, den Kombinierern um Hannu Manninen und Lang- und Kurzläuferin Virpi Kuitunen, die alleine in Sapporo dreimal Gold gewann. Eine Goldene war der mittlerweile 32-Jährigen auch 2001 daheim in Lahti gelungen. Sie durfte sie behalten, obwohl sie mit aufgeflogen war beim Dopingskandal, der den männlichen finnischen Langlauf zerbröselte. Kuitunen sprintet auch in Liberec zumindest im Team um den Titel. Die Herren Harri Kirvesniemi, Mika Myllyä und Jari Isometsä, damals allesamt mit einem Blutplasma-Ersatzstoff erwischt und für jeweils zwei Jahre gesperrt, sind mehr oder weniger gut im Zivilleben angekommen, aber Langlaufgeschichte.

Neue Helden sind im Aufbau, trotz empfindlicher finanzieller Einbußen durch Sponsorverluste. In Liberec wurde Matti Heikkinens Bronze über 15 Kilometer wie ein Sieg gefeiert. Es war die erste Medaille der finnischen Herren seit 1999, als Myllylä in Ramsau die WM über 50 Kilometer mit seiner damals vierten Goldenen abschloss. Gesiegt hat er übrigens vor Andrus Veerpalu, dem Esten, der in Liberec, quasi aus einer anderen Zeit kommend, mit 38 Jahren die 15 Kilometer für sich entschied.

Im schwedischen Langlauf wollen sich keine geeigneten Nachfolger für die Ex-Stars Thobias und Mathias Fredriksson sowie Per Elofsson finden. Groß war daher der Jubel um Anders Södergrens Silber im Verfolgungsrennen. Die schwierigen Nassschneeverhältnisse kommen dem Team entgegen, das immer und überall mit dem größten Materialbus protzt.

Norwegens Langlauf wurde in den vergangenen Jahren jedoch deutlich mehr von den Deutschen gefordert. Allein, bei denen ist seit Sonntag schon Feuer am Dach. Goldfavorit Tobias Angerer wurde in der Doppelverfolgung nur Siebenter, Axel Teichmann war als 30. unmittelbar vor René Sommerfeldt von der Titelverteidigung praktisch Lichtjahre entfernt.

Nach vier Rennen bei Damen und Herren wird mit genau keiner Langlauf-Medaille bilanziert. "Es sind keine grottenschlechten Resultate, aber natürlich wollten wir um die Medaillen kämpfen. Die Männer sind in Form" , sagte Bundestrainer Jochen Behle trotzig.
Sein Bauchfleck wurde im deutschen Damenteam um Star Evi Sachenbacher-Stehle mit gewisser Genugtuung registriert. Schließlich hatte Behle gegen seinen Trainerkollegen Ismo Hämäläinen gegiftet und laut darüber nachgedacht, "ob wir im Training bei den Frauen etwas umstellen müssen" .

Das Versagen des eigenen Teams resultiere dagegen aus Materialproblemen nach einer Fehleinschätzung aufgrund des Wetterberichts. Inzwischen verordnete der deutsche Skiverband Behle ein Art Sprechverbot. Und schickte Sportdirektor Thomas Pfüller zur Vermittlung nach Liberec. (Sigi Lützow aus Liberec, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 24. Februar 2009)

  • Petter Northug sorgte am Sonntag in der Doppelverfolgung für die erste Goldene des  Norges skiforbund in Liberec.
    foto: epa/srdjan suki

    Petter Northug sorgte am Sonntag in der Doppelverfolgung für die erste Goldene des Norges skiforbund in Liberec.

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