Für Ministerium "keine Priorität"

26. Februar 2009, 15:57
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ÖGB will Jugendliche davor bewahren, "aus dem System zu fallen" - Schmied setzt derzeit jedoch auf Frühförderung und verstärkte Berufsberatung

Zehn Jahre Schulpflicht: Für ÖGB-Präsident Erich Foglar ist das eine Lösung, um Jugendliche nicht aus dem System fallen zu lassen. Das Unterrichtsministerium winkt jedoch ab. Mit dem verpflichtenden Kindergartenjahr habe man die Schulpflicht ja bereits ausgeweitet, heißt es aus dem Büro der Ministerin Claudia Schmied.

6.000 Jugendliche abfangen

Alexander Prischl, Leiter des Referats für Berufsbildung im ÖGB, erklärt gegenüber derStandard.at, was die Gewerkschaft mit dem Vorschlag bewirken will: "Es gibt derzeit 6.000 Jugendliche pro Jahrgang, die nach dem neunten Schuljahr aus dem System fallen. Mit dem zehnten Schuljahr wollen wir sie abfangen." Dabei denkt Prischl unter anderem an den Ausbau der Plätze in berufsbildenden Schulen oder an eine zweijährige Ausbildung in der Polytechnischen Schule.

Kleingruppenunterricht intensiviert

Konkret habe man sich mit den Vorschlägen aber noch nicht an das Ministerium gewendet, sagt der Bildungsreferent. Ein Ministeriumssprecher betont zwar, dass man die Berufsberatung ausbauen müsse, derzeit jedoch kein zehntes Pflichtschuljahr geplant ist. "Das verpflichtende Vorschuljahr ist schon indirekt eine Ausweitung der Schulpflicht", so Schmied-Sprecher Nikola Pelinka.

Man lege den Schwerpunkt einerseits auf Frühförderung, andererseits aber auch auf verstärkte Berufsberatung, "damit kein Kind mehr in der falschen Schule sitzt." Eine Arbeitsgruppe, in der auch die Sozialpartner vertreten sind, arbeitet laut Pelinka bereits daran. Wie man die neunte Schulstufe außerdem bereits aufgewertet hat: "Es gibt jetzt verstärkt Kleingruppenunterricht." Ein zehntes Pflichtschuljahr habe "derzeit keine Priorität."

"Jugendarbeitslosigkeit kaschiert"

FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz ist "grundsätzlich gegen" ein zehntes Pflichtschuljahr, weil es die Jugendarbeitslosigkeit nur kaschiere. Auch Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, sieht den Foglar-Vorschlag skeptisch: "Die Arbeiterkammer und die Gewerkschaft sollten sich lieber auf die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen konzentrieren." Momentan komme von der Unternehmer-Seite mehr Unterstützung für die Neue Mittelschule. (lis/derStandard.at)

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