Vorwürfe gegen Ex-Premier Marcinkiewicz

23. Februar 2009, 15:46
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Medien nehmen Tätigkeit als Bank-Berater und Privatleben aufs Korn - Geplante Kandidatur für Europa-Parlament fraglich

Warschau - Der ehemalige polnische Premier Kazimierz Marcinkiewicz, wegen seiner gekonnten PR einst als "Medien-Premier" tituliert, steht mit den Journalisten immer mehr auf Kriegsfuß. Grund sind Berichte über seine Verlobung mit einer wesentlich jüngeren Frau und über seine Beratertätigkeit bei der Investment-Bank Goldman Sachs, die einräumte, auf einen Kursverfall des polnischen Zloty spekuliert zu haben.

Die Journalisten "lassen mich nicht mehr normal leben", beklagte sich Marcinkiewicz am Montag in seinem Internet-Blog. Gleichzeitig erklärte er, als Berater von Goldman Sachs "nie zum Schaden Polens gehandelt" zu haben. Währungsexperten von Goldman Sachs hatten vor kurzem in einer Analyse erklärt, der Verfall des Zloty sei "Ergebnis eines spekulativen Spiels", an dem sie "nicht mehr länger teilnehmen" wollten. Darüber berichtete die Zeitung "Rzeczpospolita".

"Schlechtes Licht"

Sein Engagement für die Investment-Bank brachte Marcinkiewicz auch Kritik aus der rechtsliberalen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) ein, auf deren Seite er sich im Wahlkampf 2007 stellte. "Was da in letzter Zeit rund um Marcinkiewicz passiert ist, zeigt ihn in einem schlechten Licht", sagte der PO-Fraktionsvorsitzende Zbigniew Chlebowski am Sonntag in einem Fernsehinterview. Premier Donald Tusk (PO) verteidigte seinen Vor-Vorgänger. "Ihn der Währungsspekulation zu verdächtigen, stößt an die Grenzen des Anständigen", sagte Tusk vor Journalisten.

Für ebenso viel Diskussion sorgten in Polen die Berichte über Marcinkiewiczs Privatleben. Die Boulevardzeitung "Super Express" berichtete Ende Jänner, der 49-jährige Politiker habe sich am Heiligen Abend von seiner Familie getrennt, um mit der 28-jährigen Izabela O. zusammen zu leben. Die Zeitung veröffentlichte auch ein offenbar privates Foto der beiden. Während sich Marcinkiewicz die Einmischung in sein Privatleben verbittet, äußert sich die Verlobte zu ihrer Beziehung und schäkerte mit Marcinkiewicz vor der laufenden Kamera eines Fernsehsenders.

Marcinkiewicz gilt in der polnischen Politik als Phänomen, weil er 2005 und 2006 zwar nur knapp neun Monate lang Premier war, bis heute aber einer der beliebtesten polnischen Politiker ist. Vor seinem Beratervertrag bei Goldman Sachs arbeitete er bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London. Immer wieder wird über seine Rückkehr in die polnische Politik spekuliert. Marcinkiewicz trat 2007 aus der rechtskonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) aus und unterstützt seitdem die PO.

Ende Jänner hatte Marcinkiewicz gegenüber Journalisten zu verstehen gegeben, er habe mit der PO seine Kandidatur bei der anstehenden Wahl zum Europa-Parlament vereinbart. Führende Politiker der PO widersprachen und wiesen auf die Berichte über Marcinkiewicz in der Boulevardpresse hin. Nach Ansicht des Politologen Marek Migalski habe Premier Donald Tusk (PO) durch das Versprechen einer Kandidatur und den folgenden Rückzieher einen möglichen innerparteilichen Konkurrenten "ausgeschaltet", wie Migalski dem Radiosender Tok FM sagte. (APA)

 

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