Verhafteter dürfte nicht der Schütze sein

23. Februar 2009, 14:18
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Nach weiterem Täter wird noch gefahndet

Wien - Ernüchterung für die Ermittler nach der Festnahme eines mutmaßlichen Haupttäters im Mordfall des Tschetschenen Umar I.: Bei dem in Polen verhafteten Turpal Ali J. dürfte es sich nicht um den Mörder, sondern um seinen Begleiter handeln. Der Landsmann des Opfers sei wohl einer der beiden Haupttäter, aber "eher nicht der Schütze", sagte Innenministeriumssprecher Rudolf Gollia am Montag.

"Das ist die Vermutung, die sich auch auf kriminaltaktische Ergebnisse stützt", erklärte der Sprecher. Der Mörder des 27-jährigen I. befindet sich demnach weiterhin auf der Flucht und wird gesucht. Die Auslieferung von Turpal Ali J. wurde bereits beantragt und wird laut Staatsanwaltschaft Wien und Innenministerium "relativ rasch erfolgen".

Spektakuläre Festnahme

Die Sondereinheit der polnischen Polizei CBS ("Zentrales Ermittlungsbüro") erhielt am 19. Februar die Information, dass sich Turpal Ali J. in einem Hotel bei Warschau aufhalte. Das berichtet die Zeitung "Gazeta Wyborcza" über den spektakulären Zugriff noch am selben Tag. An der Festnahme hätten mehr als 30 Polizisten teilgenommen, die das beobachtete Gebäude umstellten.

"Wir mussten damit rechnen, dass der Gesuchte Waffen und Explosionsmaterial bei sich hat und um jeden Preis flüchten will", sagte der Polizei-Sprecher Mariusz Sokolowski bei einer Pressekonferenz. Deshalb seien bei der Festnahme Spezialisten aus der Antiterror-Bekämpfung zum Einsatz gekommen, Schüsse wurden laut Medienberichten nicht abgegeben. Der Polizeisprecher erklärte, dies sei die bisher gefährlichste und komplizierteste Operation des CBS und der Antiterror-Einheit in diesem Jahr.

Schütze oder Komplize

Bei der Staatsanwaltschaft zeigte man sich nicht sehr glücklich über die Bekanntgabe der Festnahme - Grund ist die Fahndung nach dem noch flüchtigen Täter. Ob es sich bei Turpal Ali J. um den Schützen oder den Komplizen handelt, wollte ein Sprecher der Anklagebehörde nicht kommentieren. Die österreichischen Behörden erfuhren von der am vergangenen Donnerstag erfolgten Festnahme am Freitagvormittag.

Die Einvernahme des Mannes würde erst in Österreich erfolgen, Spuren wie die DNA-Rückstände auf einer am Tatort gefunden Jacke hätten bei der Verhaftung jedenfalls eine Rolle gespielt. Über das Motiv gebe es keine neuen Erkenntnisse, hieß es.

Umar I. war am 13. Jänner nach einer Verfolgungsjagd durch zwei Männer, von denen einer der nun Verhaftete sein soll, in Wien-Floridsdorf auf offener Straße erschossen worden. Der politische Flüchtling hatte seit dem Sommer 2008 mehrmals vergeblich um Polizeischutz gebeten. In den Tagen nach dem Mord hatte die Polizei in Österreich insgesamt acht Landsmänner des Opfers wegen mutmaßlicher Beteiligung festgenommen. Vier Personen wurden mittlerweile wieder enthaftet. (APA)

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