Der Oligarch, der die letzten Putin-Kritiker unterstützt

23. Februar 2009, 19:04
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Alexander Lebedew im Video-Interview mit Hans Rauscher über die Finanzkrise, Demokratie in Russland, seine neue Partei und die fatale Abhängigkeit von Öl und Gas

Russische Oligarchen sind meist mehr als farbige Persönlichkeiten. Alexander Lebedew ist einer der buntschillerndsten. Der 1959 in Moskau geborene Lebedew gibt offen zu, dass er in den 80er-Jahren ein führender KGB-Spion in London war. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler sammelte Material auf die internationale Finanzwelt. Dieses Wissen nutzte er, als er sich 1992 "selbstständig machte" und im großen Privatisierungs-Boom unter Jelzin u.a. Anteile an Aeroflot, Gazprom und der Nationalen Reservebank erwarb. Inzwischen bezeichnet sich Lebedew als "Investor in der Landwirtschaft". Vor kurzem erwarb er aber auch die britische Tageszeitung "Evening Standard".

Politisch fährt Lebedew einen Kurs scharf an der Grenze zur Opposition gegenüber Putin. Er hält gemeinsam mit Michail Gorbatschow 49 Prozent an der einzigen verbliebenen regierungskritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" (deren Mitarbeiterin Anna Politkowskaja ermordet wurde). Ende 2008 kündigte er die Gründung einer „Demokratischen Partei“ gemeinsam mit Gorbatschow an, obwohl er jahrelang Abgeordneter der Putin-Partei "Einiges Russland" war. Er kritisiert die russischen Zustände, besonders im Staatsdienst und den Mangel an Demokratie, vermied es aber bisher, Putin persönlich herauszufordern.

Lebedew hielt sich kürzlich in Österreich auf, weil er einen neuen Think Tank, das Internationale Zentrum für EU-Russland-Studien (ICEUR) unterstützt. Mit Hans Rauscher sprach Lebedew über die Folgen der Krise für Russland (und seinen Konzern), über die fatale Abhängigkeit von Öl und Gas und über sein Lieblingsthema, die Dummheit und Korruption der Staatsbürokratie:

Seine Meinung zu Putin

Über die Unterstützung von Oligarchen durch die russische Regierung

Über die Demokratie in Russland auf einer Skala von 1 bis 10

Über seine Investition in Aeroflot

Über die Gründung seiner neuen Partei

(derStandard.at, 23.2.2009)

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