Deutsche Bank erwartet Horrorjahr

23. Februar 2009, 13:51
10 Postings

Chefvolkswirt sieht ein Schrumpfen der Wirtschaft um mindestens fünf Prozent

Frankfurt/Berlin- Der Absturz der deutschen Wirtschaft wird nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter in diesem Jahr noch drastischer ausfallen als zunächst von ihm befürchtet. Walter geht statt minus vier Prozent nun von fünf Prozent Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus. Die deutsche Regierung sieht ungeachtet solch düsterer Prognosen derzeit keinen Anlass, ihre jüngste Konjunkturprognose für 2009 aus dem Jänner zu revidieren.

Die Berliner Regierung rechnet für das Gesamtjahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent. Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Montag in Berlin, die nächste Schätzung werde im April vorgenommen - auf Basis der dann bekannten Indikatoren. Es gebe im Moment "keine belastbaren Hinweise", dass die Jänner-Prognose jetzt schon korrigiert werden müsste.

Forderung nach globalem Konjunkturprogramm

Walter sagte der "Bild"-Zeitung (Montag): "Die deutsche Wirtschaft wird nur dann 2009 um lediglich fünf Prozent schrumpfen, falls wir ab Sommer einen richtigen Aufschwung haben. Aber es ist nicht auszuschließen, dass dieser Aufschwung ausbleibt. Deshalb ist auch ein höheres Minus nicht mehr auszuschließen." Walter forderte ein global abgestimmtes Konjunkturprogramm - "am besten unter Führung von US-Präsident (Barack) Obama".

Zwar befürchten auch andere Volkswirte 2009 den schwersten Konjunktureinbruch in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg, doch sind sie weniger pessimistisch als Walter: Zwischen minus zwei und minus drei Prozent bewegen sich derzeit viele Prognosen. Walter hatte im Dezember einen BIP-Rückgang um bis zu vier Prozent vorhergesagt.

Steg hielt "externen Experten" wie Walter indirekt vor, allwöchentlich Prognosen abzugeben, sich dann aber auch Woche für Woche zu korrigieren. "Da setzen wir doch auf eine gewisse Stetigkeit und nicht auf eine kurzatmige Anpassung von irgendwelchen Prognosen. Da wollen wir doch vernünftige Daten, belastbare Daten ... aus dem ersten Quartal abwarten", sagte der Vize-Regierungssprecher.

Die deutsche Wirtschaft steckt derzeit in einer tiefen Rezession. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes schrumpfte das BIP im vierten Quartal 2008 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 2,1 Prozent. Das war der dritte Rückgang der Wirtschaftsleistung gegenüber einem Vorquartal in Folge und der größte seit der Wiedervereinigung. An diesem Mittwoch (25.2.) will das Amt detaillierte Ergebnisse für das vierte Quartal bekanntgeben. (APA/dpa)

Share if you care.