Erkennen von Gefäßkrankheiten ist früh möglich

23. Februar 2009, 14:44
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15 Prozent aller Österreicher sind betroffen - Diabetiker, Raucher, Übergewichtige und ältere Menschen als Risikogruppen

Wien - "Diabetiker, Raucher, über 65-jährige sowie Menschen mit Übergewicht, hohem Cholesterin oder Bluthochdruck - bis zu fünfzehn Prozent der Österreicher sind von Gefäßerkrankungen betroffen", erläuterte Ernst Pilger, Vorstand der Medizinischen Universität Graz, am Montag in Wien. Um der Bevölkerung ein Bewusstsein über die Früherkennung mittels einer einfachen Messung zu schaffen, wurde im Herbst des Vorjahres die Kampagne "Durchblutung ist Leben" gestartet, welche Mitte Februar endete: 67 Prozent der knapp 4.000 ausgefüllten Fragebögen deuteten auf ein erhöhtes Risiko einer Gefäßerkrankung hin.

Schmerzen beim Gehen als Vorbote

Als Vorbote von Herzinfarkt und Schlaganfall zeigen sich bei Betroffenen vielfach Schmerzen beim Gehen. Zwei Drittel der Patienten mit pAVK, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, interpretieren die Symptome anfangs als Muskelkater, Fehltritte oder Schmerzen aufgrund falschen Schuhwerks. Häufig kann die Anfangsphase aber auch schmerzfrei verlaufen. So wird bei 99 Prozent der Betroffenen heute die Diagnose in einem fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert. Auch die ausgewerteten Fragebögen zeigen ein ähnliches Ergebnis: "Bei rund 40 Prozent der Teilnehmer ohne sowie bei 90 Prozent mit Beinschmerzen lag der Punktestand deutlich über der Risikomarke", so Christian Mate, medizinischer Leiter der Plattform NetDoktor.at.

Früherkennung durch ABI-Messung

Die Verengungen, verursacht durch Fettablagerungen an den Gefäßwänden, bleiben allerdings nicht im Beinbereich isoliert, sondern breiten sich auf den gesamten Körper aus und schränken die Lebenserwartung hochgradig ein. Das Risiko einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit kann heute bereits früh erkannt werden. Eine einfache, rund fünfzehnminütige Blutdruckmessung, die so genannte ABI-Messung, gibt beim Hausarzt Auskunft über eventuelle Durchblutungsstörungen. Dabei werden die Werte im Oberarm mit jenen des Knöchelbereichs verglichen - körperlich fit ist jeder, dessen Blutdruck im Beinbereich etwas höher ausfällt.

Die ABI-Messung ist allerdings noch nicht im Vorsorgepool der Krankenkassen vorhanden. Manche Mediziner bieten die Untersuchung kostenlos als Service an, andere verlangen im Schnitt etwa 20 bis 30 Euro. "Menschen ab 65 Jahren sowie all jene mit zwei Risikofaktoren sollten diese Messung vornehmen."

Höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Ohne frühzeitige Diagnose und Behandlung steigt die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden, um das Dreifache, das Risiko eines Schlaganfalls sogar auf das Vierfache. "Wurde die Diagnose pAVK dann erstellt, gilt es einerseits therapeutisch und medikamentös vorzugehen, andererseits aber auch die eigenen Lebensumstände zu ändern", so Mate. Dies gilt vor allem für die Risikogruppe der Raucher und Diabetiker.

Frauen sind von pAVK im Schnitt bis zu sieben Jahre später betroffen als Männer. Ist der Griff zum Glimmstängel aber ein ständiger, treten Gefäßerkrankungen rund zehn Jahre früher auf als bei rauchenden Männern. Schmerzen treten dabei vor allem im Becken- und Hüftbereich auf. (APA)

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    Raucher zählen bei Gefäßerkrankungen zur Risikogruppe

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