Osteuropa löst Asien als Hauptziel ab

23. Februar 2009, 13:00
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An tschechischen Autobahnen werden Kinder für fünf Euro angeboten - Italien arbeit an europaweiten Richtlinien für verantwortungsvollen Fremdenverkehr

Rom - Osteuropa ist offenbar die neue Destination des Kindersextourismus. Nachdem die Kontrollen in vielen asiatischen Ländern - traditionsgemäß Ziele der einschlägigen Klientel - verschärft wurden, ziehen die ärmsten Länder Osteuropas immer mehr Sextouristen an. "Die Tschechische Republik ist wegen der enormen Menge an pädophilem Material bekannt, das dort produziert und im Internet angeboten wird", sagte Marco Scarpati, Präsident der Kinderrechtsorganisation ECPAT in Italien.

Kinder jeden Alters angeboten

An den tschechischen Autobahnen sei das Phänomen der Kinderprostitution besonders verbreitet: Von der deutschen Grenze bis Joachimstal (Jachymov) über Eger (Cheb) und Karlsbad (Karlovy Vary), an den Raststätten der Autobahnen E48 und E49, werden Kinder jedes Alters angeboten. "Das haben uns auch Lkw-Fahrer gemeldet", sagte Scarpati nach Angaben der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" am Donnerstag. Die Kunden seien Deutsche, Österreicher und Italiener, denen Mütter und Zuhälter die Kinder für einen Preis zwischen fünf und 25 Euro anbieten.

Drogenabhängige Kinder in Russland

In Nordrussland sei die Lage ähnlich. In Sankt Petersburg und Vyborg würden viele auf der Straße lebende Kinder Drogen gegen Sex tauschen. Ein weiteres Ziel sei Marokko. "Sogar in der Internetplattform Facebook werden marokkanische Teenager angeboten", erklärte Scarpati.

Steigende HIV-Raten bei Kindern

Das Geschäft mit dem Kindersextourismus generiert jährlich weltweit einen Umsatz von rund 250 Milliarden Euro. Viele Sextouristen aus Europa machen sich das steigende Angebot an Billigflügen zunutze. Die Bilanz ist erschreckend: Jährlich erkranken etwa 300.000 Minderjährige an HIV und eine halbe Millionen an Hepatitis C. Jährlich müssen zwei Millionen Minderjährige abtreiben. Rund 1,64 Millionen Selbstmordversuche sind auf Kindersextourismus zurückzuführen, meinte Scarpati.

EU soll Tourismus mit Verantwortung sicherstellen

Die italienische Regierung hat mittlerweile eine Gegen-Kampagne gestartet. Die für den Tourismus zuständige Unterstaatssekretärin Michela Vittoria Brambilla arbeitet an einem Projekt, an dem alle TourismusministerInnen der Welt mitwirken sollen, um aktiv einen verantwortungsvollen Fremdenverkehr zu fördern. Vor allem die EU-Länder sollen sich verpflichten, Regeln gegen Kindersextourismus einzuführen. Brambilla stellte einen Kodex vor, wonach sich Reisegesellschaften aktiv dafür einsetzen sollen, konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung zu ergreifen.

So sollen die Gesellschaften z. B. das Angebot an Reisen in Regionen, in denen Sextourismus mit der Ausbeutung von Kindern besonders stark verbreitet ist, reduzieren und keine Hotels vorschlagen, die Minderjährige in Zimmer von Kunden zulassen. Brambilla forderte, dass Gesetze gegen Kindersextourismus auf schärfste Weise eingesetzt werden: "Wir müssen einen gnadenlosen Kampf gegen den Tourismus der Schande führen", sagte Brambilla. (APA)

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