Beinahe eine Spur von Normalität

23. Februar 2009, 18:58
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Das irakische Nationalmuseum ist in Bagdad wiedereröffnet worden

Bis zum Schluss war nicht klar, ob das irakische Nationalmuseum tatsächlich wiedereröffnet wird. Doch als die schwarzen Autokolonnen von Premierminister Nuri al-Maliki Montagmittag in den Innenhof der Museumsgebäude hineinfuhren, gab es kein Zurück mehr: Der monatelange Streit zwischen Tourismusministerium und Kulturministerium schien beendet - zumindest für einen Tag.

Die Musik spielte auf und Frauen in traditionellen Kostümen vermittelten einen Hauch von Normalität, ganz im Sinne des irakischen Premiers, der mit dieser Zeremonie zeigen wollte, dass Bagdad wieder einen Schritt vorangekommen ist.

Denn über sechs Jahre lang waren die Pforten des 1966 von einem deutschen Architekten gebauten Museums geschlossen geblieben. Die Invasion der Amerikaner und Briten hatte ihre Schatten voraus geworfen: Schon Monate vor der Eroberung Bagdads am 9. April 2003, wurden die Ausstellungen geschlossen und - was man zunächst nicht wusste - die wichtigsten Schätze unter der Zentralbank eingelagert.

Als Plünderer dann das Gebäude stürmten und verwüsteten, war zeitweise von 75.000 gestohlenen Kunstgegenständen die Rede. Das Irak-Museum stand im Fokus internationaler Besorgnis. Archäologen und Historiker sprachen weltweit von einer nicht wieder gutzumachenden Katastrophe. Das Erbe Mesopotamiens und Babyloniens schien für allezeit verloren.

Ganz so schlimm kam es dann aber doch nicht. Als der geflutete Tunnel unter der Zentralbank wieder trockengelegt wurde, tauchte dort neben anderen Kunstgegenstände auch der berühmte Nimrud-Schatz wieder auf.

US-Administrator Paul Bremer ließ daraufhin das Museum für einige Stunden öffnen, um den Schatz den Medien und einigen Auserwählten zu präsentieren. Die Öffentlichkeit hatte aber jahrelang keinen Zugang.

Beim Rundgang durch das Museum, dessen Räume die verschiedenen Epochen von 8000 Jahren irakischer Geschichte aufzeigen, stellt man schnell fest, dass längst nicht alle Kunstgegenstände gezeigt werden.

Nur wenige Vitrinen sind vorhanden. Viele Ausstellungsstücke sind Kopien und keine Originale. Vom Nimrud-Schatz sind nur Fotos aufgehängt.

Der der Eröffnung vorausgehende Streit zwischen Kultur- und Tourismusminister scheint einen merkwürdigen Kompromiss hervorgebracht zu haben: Der eine drängte schon lange auf die Wiedereröffnung des prestigeträchtigen Museums, für den anderen stand die Sicherheitsfrage im Vordergrund. Da weder Alarmanlagen noch sonstige spezifische Sicherheitsvorkehrungen die wertvollen Objekte vor Diebstahl schützen können, sollte lieber noch gewartet werden. Denn Überwachungskameras und Museumswächter reichten bei weitem nicht aus. Außerdem sei ein derartiges öffentliches Gebäude noch immer nicht vor Bombendrohungen sicher, lautete die Begründung des Kulturministeriums für seine zögerliche Haltung. Nun will man das Museum zwar öffnen - aber nur für angemeldete Besuchergruppen. Bis reguläre Öffnungszeiten den alltäglichen Besucherstrom bestimmen, wird es noch eine Weile dauern. Es gibt eben doch noch keine Normalität in Bagdad. (Birgit Svensson aus Bagdad//DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Assyrische Statue, Teil von 8.000 Jahren Kulturgeschichte aus Mesopotamien.

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